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SUMMARY:Die Mumien von Wackerstein
DESCRIPTION:Professor Dr. Andreas Nerlich, Professor für Pathologie der Ludwig-Maximilians-Universität München, berichtet am Dienstag, 25. April, ab 18 Uhr im Neuen Schloss über seine Forschungen zu den Mumien in Wackerstein.\nDer Flügeladjutant des ersten bayerischen Königs, die Hofdame der Königin, ein mumifiziertes Kind, der König selbst und sein erster Minister, das sind die Hauptpersonen in einer spannenden »Kriminalgeschichte«, wie sie in den Jahren 1814 bis 1816 in »höchsten Kreisen« tatsächlich geschehen ist.\nDer junge Preuße Wilhelm von Jordan kam nach Bayern, um sein Glück zu machen. Nachdem Jordan vergeblich versucht hatte, in diplomatischen Diensten des preußischen Königs Karriere zu machen, wechselte er nach Bayern und wurde vom Diplomaten zum Militär.\nDurch Kühnheit auf dem Schlachtfeld, Treue und diplomatisches Geschick und Dienste verschiedenster Art machte sich dieser beim bayerischen Herrscher – den Napoleon 1806 zum König Max I. Joseph machte – unentbehrlich. Entlohnt wurde Wilhelm von Jordan dies mit einem bayerischen Freiherrentitel und mehrfachen erheblichen finanziellen Vergünstigungen, die es ihm erlaubten, standesgemäß die Hofdame Gräfin Violante von Sandizell zu heiraten. Der Erwerb des Schlossgutes Wackerstein an der Donau bot ihm eine gute Grundlage, eine Familiendynastie zu gründen. Allerdings war sein Weg auch mit zahlreichen (teils juristischen, teils persönlichen) Auseinandersetzungen gepflastert und Jordan scheute sich auch nicht, die Geburt der ersten Tochter Carolina für einen fast schon kriminellen Coup gegenüber dem bayerischen König auszunutzen.\nImmerhin konnte der einst mittellose Jordan zum Ende seines Lebens hin nicht nur das Gut Wackerstein bei Ingolstadt, sondern auch das Schlösschen Suresnes in Schwabing und in Andechs das ehemalige Klostergut samt Bräuhaus und Klostergut sein Eigen nennen.\nDoch alles Irdische ist nicht von Dauer. Jordans einziger Sohn starb jung und ohne Nachkommen. Aller Besitz wurde von Jordans Witwe Violante verkauft.\nGeblieben ist das Porträt von Wilhelms und Violantes Tochter Mathilde in der Schönheitengalerie von König Ludwig I. in Nymphenburg. Geblieben sind auch die Mumien der Familie Jordan in ihrer kleinen Gruft bei Wackerstein.\nDie sehr gut erhaltenen Mumien von Wilhelm von Jordan, der kleinen Carolina, dem Sohn Max und letztlich seiner Frau Violante boten einer naturwissenschaftlichen Untersuchung Zugang zu einer Fülle von Daten und Fakten, die die Lebenswege, insbesondere deren letzte Strecken, und die Todesursachen aufdecken konnten, so dass eine umfassende Biographie dieser bayerischen Adelsfamilie nachgezeichnet werden konnte. Es entstand eine interdisziplinäre spannende Geschichte aus dem Adelsleben in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts.\nProf. Dr. Dr. Andreas Nerlich leitet die Institute für Pathologie der Standorte\nBogenhausen und Schwabing der München Klinik. Darüber hinaus beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit dem Leben und Leiden von historischen Bevölkerungen und Personen (Paläopathologie). Neben langjähriger Beteiligung an Grabungen des Deutschen Archäologischen Instituts in Ägypten hat Nerlich auch zahlreiche Untersuchungen an historischen Personen, so dem Eismann „Ötzi“ und lokalen bekannten Personen, wie der Seligen Irmingard vom Kloster Frauenchiemsee, durchgeführt.\n
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