Energetische und emotionale Jazztage

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Kurz, aber intensiv. Das sind die Ingolstädter Jazztage 2026. Vom 7. bis 14. November wird Ingolstadt zu einem großen Jazzfest – und das bereits zum 43. Mal. Das größte Festival der Stadt verfüge über „überregionale Strahlkraft“ und sei nicht nur deshalb sehr wichtig, erklärte Kulturreferent Marc Grandmontagne beim Pressegespräch im Stadttheater. Er lobte das energetische Programm, das auf die beine gestellt wurde. Und dass man beim Jazz und bei der Festivalorganisation die „Kunst der Improvisation“ beherrschen müsse, zeige sich jetzt besonders. Die angespannte Finanzlage der Stadt sorgte beispielsweise dafür, dass in der laufenden Planung für 2026 eine sechsstellige Summe eingespart werden musste, berichtete Kulturamtsleiter Tobias Klein.

„Wir wollen die Vielfalt des Jazz abbilden und nicht einen Act buchen, der dann den Großteil des Budgets bindet“, betonte Wolfgang Haffer, der zum dritten Mal als künstlerischer Leiter der Jazztage fungiert. Zusammen mit Matthias Neuburger und Joey Finger bildet er das Trio, das für das Programm verantwortlich zeichnet.

Abschied vom Stadttheater

Als ein Gefühl zwischen „Trauer und Mut, aber letztendlich fatal“ beschrieb Matthias Neuburger sein Empfinden, wenn es um das Stadttheater als Veranstaltungsort geht. Bekanntlich ist es bis auf unbestimmte Zeit das letzte Mal, dass die Jazztage hier über die Bühne gehen können. Mit dem Ort verbindet Wolfgang Haffner eine besondere Geschichte: er ist hier 1991 zum ersten Mal bei den Jazztagen gespielt – zusammen mit dem legendären Klaus Doldinger und dessen Band Passport. „Ich hab das Ingolstädter Publikum wirklich lieben gelernt,“ betonte Wolfgang Haffner, der bei der Programmauswahl nach einer einfachen Methode vorgeht: „Das Kriterium ist der Zuhörer Haffner. Ich stelle mir vor, welche Band ich gerne hören würde.“ Vom 7. bis 14. November kann man nun diesem Geschmack nachspüren. (ma)

Blick auf das Programm:

Die Ingolstädter Jazztage eröffnen am Samstag, 7. November, 20 Uhr im Festsaal des Stadttheaters zum dritten Mal mit ihrem „Grand Opening“ – einem Abend mit Gala-Charme, der bewusst entspannt bleibt. Zwischen Glamour und lässiger Attitüde entsteht ein Auftakt, der festlich wirkt, ohne steif zu sein.

Durch den Abend führen Sebastian Reier, besser bekannt als Booty Carrell, und Fadime Gültekin. Reier ist Schauspieler und Performer, unter anderem an den Münchner Kammerspielen, und zugleich als DJ eine eigene Marke: Booty Carrell forscht in den Weiten des Vinyls, spürt der zweiten Welle musikalischer Globalisierung nach und verbindet regionale Traditionen mit westlichen Einflüssen. Seit Jahren bringt er diese Sounds auf Europas Tanzflächen. An seiner Seite: Fadime „Fadi“ Gültekin, Ensemblemitglied des Stadttheaters Ingolstadt, die in ihrer Arbeit auch ihre Kindheit und Jugend als Kind türkischer Gastarbeiter reflektiert – mit Präsenz und Direktheit.

Foto: Markus Schuster

Das musikalische Herzstück bildet die Stromlos Jugend Bigband der Kunst- und Kulturbastei unter der Leitung von Robert Aichner. Das preisgekrönte Ensemble vereint junge Jazzmusikerinnen zwischen 12 und 27 Jahren und arbeitete bereits mit Dozenten wie Harald Rüschenbaum, Julian Ritter oder Jörn Marcussen-Wulf. Regelmäßige Konzertauftritte und Workshopphasen prägen die kontinuierliche Entwicklung der Band.

„Community Music“ setzt in diesem Jahr einen Akzent: Ein Aufeinandertreffen von Hip-Hop und Jazz verspricht neue Impulse. Höhepunkt ist die Verleihung des Jazzförderpreises – inklusive musikalischem Beitrag der Preisträgerin oder des Preisträgers.

Der darauffolgende Tag, Sonntag, 8. November, steht mit gleich drei Veranstaltungen ganz im Zeichen des Jazz. Den Start macht Jazz in der Kirche St. Matthäus, Beginn 11 Uhr, mit Batter my Soul in der Besetzung mit Tom Diewock (dr) und Gerhard Schmidt (org). Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist kostenfrei.

Um 18 Uhr treffen dann in der Kirche St. Augustin Sebastian Studnitzky und die Kammerphilharmonie Ingolstadt aufeinander. Die Kammerphilharmonie Ingolstadt steht für eine außergewöhnliche Verbindung von Tradition, Wandel und kultureller Offenheit. Hervorgegangen aus dem 1961 in Tiflis gegründeten Ensemble, ist der Klangkörper seit 1990 in Ingolstadt beheimatet und prägt seither das Musikleben der Region nachhaltig. Mit einem Repertoire von Barock bis Moderne, internationaler Konzerttätigkeit und zahlreichen Bildungsprojekten verbindet das Orchester künstlerische Exzellenz mit gesellschaftlichem Engagement. Seine Geschichte als Ensemble im Übergang zwischen Kulturen verleiht ihm bis heute eine besondere Identität – klanglich flexibel, stilistisch offen und geprägt von hoher kammermusikalischer Präzision.

Auch Sebastian Studnitzky bewegt sich souverän zwischen den musikalischen Welten. Als Trompeter und Pianist verbindet er Jazz, Klassik und elektronische Einflüsse zu einer eigenständigen Klangsprache. International gefragt, arbeitete er unter anderem mit Künstlern wie Nils Landgren oder Wolfgang Haffner und wurde als einziger deutscher Musiker sowohl mit dem ECHO Jazz als auch dem OPUS Klassik ausgezeichnet. Sein Spiel zeichnet sich durch Klarheit, emotionale Tiefe und eine reduzierte, zugleich hoch expressive Formsprache aus.

Foto: Kay Strasser

Mit „MEMENTO – orchestral experience“ treffen beide Klangkörper bei den Jazztagen aufeinander. Studnitzkys Werk entfaltet sich im Spannungsfeld von komponierter Struktur und improvisatorischer Offenheit: Minimalistische Motive, fragile Klangflächen und subtile Grooves verbinden sich mit orchestraler Dichte zu einem vielschichtigen Ganzen. Gemeinsam entsteht eine Musik, die Genregrenzen hinter sich lässt und im Dialog zwischen Solist und Orchester eine eindringliche, zeitgenössische Klangwelt formt.

An demselben Abend findet auch der Auftakt zu „Young Jazz Session“ statt. In diesem Format präsentieren junge Musikerinnen und Musiker, etablierte Jazzmusikerinnen und Jazzmusiker sowie Jazzförderpreisträgerinnen und Jazzförderpreisträger ihr Können und geben einen Einblick in die lebendige regionale Nachwuchsszene. Diese Veranstaltung beginnt um 20 Uhr im KUBI – Kultur-
und Bildungsrathaus
, der Eintritt ist kostenfrei.

Am Montag, 9. November, 20 Uhr steht dann im Festsaal des Stadttheaters das erste von zwei Grand Concerts auf dem Programm, gestaltet von Landgren / Wollny / Danielsson / Haffner (ehemals 4 Wheel Drive). Das Debüt der deutsch-schwedischen Supergroup wurde 2019 zur erfolgreichsten Jazzeinspielung in Deutschland – getragen von vier eigenständigen Persönlichkeiten, die den europäischen Jazz seit Jahren prägen.

Foto: ACT Harald Nilsson

Nils Landgren gilt mit seinem unverwechselbaren Ton und großer stilistischer Offenheit als einer der international erfolgreichsten Jazzmusiker Skandinaviens. Pianist Michael Wollny zählt zu den einflussreichsten Stimmen seiner Generation und verbindet Virtuosität mit experimenteller Neugier. Lars Danielsson steht für lyrische Tiefe und einen charakteristischen, warmen Klang, während Wolfgang Haffner als einer der vielseitigsten europäischen Drummer mit untrüglichem Gespür für Groove und Dynamik gilt.

Gemeinsam entfalten sie eine Musik, die stilistische Grenzen spielerisch überschreitet. Jazz trifft auf Pop, Improvisation auf klare Form, energetische Verdichtung auf große klangliche Weite. Das Repertoire aus eigenen Kompositionen und neu gedachten Klassikern dient dabei vor allem als Ausgangspunkt für ein hochflexibles Zusammenspiel, das von Spontanität und gegenseitigem Vertrauen lebt.

So entsteht ein Sound, der gleichermaßen zugänglich und komplex ist – geprägt von vier unverwechselbaren Handschriften, die sich im gemeinsamen Spiel zu einer intensiven, lebendigen Einheit verbinden.

Am folgenden Abend, Dienstag, 10. November, 20 Uhr gehört die Bühne in der Neuen Welt der diesjährigen Träger des Jazzförderpreises Maximilian Wallrap. Mit virtuoser Energie und unverwechselbarem Sound verbindet das Wallrap Collective Jazz, R’n’B und Hip-Hop zu einer elektrisierenden Mischung. Pianist Simon Neureuter, Bassist Aaron Selbherr und Drummer Maximilian Wallrap präsentieren neue Stücke und zeigen, warum sie zu den spannendsten jungen Jazz-Formationen zählen. Der Eintritt ist frei.

Im Kulturzentrum neun findet am Mittwoch, 11. November, 20 Uhr das zweite Grand Concert statt. Im Mittelpunkt steht ein Hauptact, der derzeit noch nicht genannt werden kann – weitere Informationen folgen am 10. Juni. So viel vorab: Es handelt sich um eine international renommierte Band, die seit Jahren zu den prägenden Formationen zwischen Indie, Electronica und avantgardistischem Pop zählt und weit über die Landesgrenzen hinaus für ihren unverwechselbaren Sound gefeiert wird. Ein Abend für alle, die Entdeckungen lieben – und große Namen auch ohne Ankündigung erkennen.

Foto: Andreas Staebler

Den Auftakt gestaltet das Berliner Duo Bella Wakame. Mit Perkussion und modularen Synthesizern entwickeln sie einen eigenständigen Sound zwischen Experiment und Groove. Ihr Debütalbum (2025) zeigt eine stilistische Offenheit, die von dichten Texturen bis zu eingängigen, schwebenden Motiven reicht – ein konzentrierter, vielversprechender Einstieg in den Abend.

„Jazz in den Kneipen“ ist eines der Highlights der Ingolstädter Jazztage am Donnerstag, 12. November. Ab 19 Uhr spielen 16 Acts in 10 Locations der Altstadt und zeigen die ganze Bandbreite von Jazz bis weit darüber hinaus. Mit dabei sind: Backstage, das „Mo“, Diagonal., Neue Welt, ZWØLF by Yankee&Kraut, Tagtraum, Rosengasse 2, Weinraum Bar, Städtische Galerie im Theater und Griesmüllers Altstadtbrauerei – überall gibt es Neues zu entdecken.

Es spielen: Cosmica Bandida, Lisa Wahllandt & Band, Adam Ben Ezra Duo, Syncopa, Sufi Dub Brothers, REG10N, Kildan World Project, Ida Valentina Trio, Ellie Harris (form of four), DJ Lilah Amar, Johannes Enders Quartett, O-H-R, Thomas Stieger & Band, Benedikt Streicher Quartett feat. Mishell Ivon, Nymmer Band und Joshua Milo & Band. Der Abend steht für Vielfalt, Energie und musikalische Neugier – gekrönt von einer mittlerweile legendären Aftershow-Party. Die einzelnen Auftrittszeiten der Bands werden zeitnah auf der Homepage des Kulturamts bekannt gegeben.

Die legendäre Jazzparty der Ingolstädter Jazztage wird in diesem Jahr besonders denkwürdig: Der Hämer-Buro-Bau, Heimat von Stadttheater und Festsaal, wird am Freitag, 13. November, 19 Uhr, noch einmal glanzvoll in Szene gesetzt, bevor er schließen muss. Festsaal, Foyers, das Restaurant Backstage und die Städtische Galerie im Stadttheater – in der parallel das jazz:lab mit Guru Guru und Saroos stattfindet – werden zur Bühne einer rauschenden Huldigung an Musik, Architektur und urbane Kultur. Nirgendwo sonst begegnen sich Künstlerinnen und Publikum so unmittelbar.

Insgesamt werden acht faszinierende Formationen den Partyabend gestalten: Nik Bärtsch’s Ronin, Electro Deluxe, Heavytones, Ida Sand & Magnus Lindgren, Peki Momés, DJ Lilah Amar, Robinson Khoury und Chris Minh Doky & The Nomads feat. Chris Minh Doky, Manu Katché, Till Brönner, Simon Oslender.

Ebenfalls an diesem Abend steht das Abschlusskonzert von „Jazz an den Schulen“ auf dem Programm. Zuvor konnten Teilnehmende unter Anleitung von professionellen Jazzmusikerinnen und Jazzmusiker in Workshops an diversen Ingolstädter Schulen vertiefte Praxiserfahrungen auf dem Gebiet des Jazz sammeln. Ihre Ergebnisse präsentieren sie in der Schalterhalle der Sparkasse Ingolstadt Eichstätt, Rathausplatz, Beginn 19 Uhr. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist kostenfrei.

Die 43. Ingolstädter Jazztage schließen am Samstag, 14. November, im Festsaal des Stadttheaters mit dem Grand Closing. Das fulminante Finale wird um 20 Uhr von Take 6 eröffnet, eine weltweit gefeierte A-cappella-Gruppe, die von Quincy Jones als „beste Sänger der Welt“ bezeichnet wurde. Die Formation besteht aus Claude McKnight, Mark Kibble, Joel Kibble, Dave Thomas, Alvin Chea und Khristian Dentley. Die vielfach ausgezeichnete Gruppe (10 Grammys, 10 Dove Awards, Soul Train Award) gehört zur Gospel Music Hall of Fame und gilt als führende A-cappella-Formation weltweit.

Foto: John Abbott

Ihr aktuelles Projekt „RHAPSODY“ verbindet Jazz-Klassiker mit ihrem unverwechselbaren Sound und würdigt Werke wie Rhapsody in Blue oder It Don’t Mean a Thing (If It Ain’t Got That Swing). Dabei arbeiten sie mit hochkarätigen Musikerinnen und Musikern zusammen und öffnen ihren Klang für neue Nuancen.

In den letzten Jahren sorgte Take 6 zudem für Aufsehen mit TV-Specials zu Paul Simon und The Beach Boys sowie Kooperationen mit Künstlern wie Michael McDonald und Jacob Collier. Für 2026 hat die Gruppe ein „Jahr des Gebens und Dankens“ ausgerufen, mit einem Stipendium an der Middle Tennessee State University sowie Projekten zugunsten des St. Jude Children’s Research Hospital.

Heute klingt ihre Musik wie ein reich gedeckter Tisch: dicht, vielschichtig und voller Aromen. Stimmen greifen ineinander wie perfekt abgestimmte Zutaten, mal samtig und warm, dann wieder rhythmisch pointiert und überraschend würzig. Jeder Akkord entfaltet Tiefe, jeder Übergang setzt neue Akzente. Was bleibt, ist kein abgeschlossener Eindruck, sondern ein Nachklang – intensiv, belebend und mit dem unwiderstehlichen Impuls, sofort weiterzuhören.

Als Vorband sind zwei herausragende Stimmen des jungen europäischen Jazz zu hören. Die mongolische Pianistin und Komponistin Shuteen Erdenebaatar und der deutsche Bassist und Klarinettist Nils Kugelmann. Sie laden mit ihrem neuen Programm „Under the Same Stars“ zu einer außergewöhnlichen musikalischen Reise ein.

Was als persönliche Begegnung begann, hat sich zu einem intensiven musikalischen Dialog entwickelt: Shuteens leuchtendes, zugleich hypnotisches Klavierspiel trifft auf die geheimnisvollen Klangfarben von Kugelmanns Kontra-Alt-Klarinette – einem seltenen Instrument, das hier ins Zentrum rückt. Gemeinsam erschaffen sie eine Klangwelt zwischen Jazz, Klassik und Filmmusik, in der sich ihre individuellen Geschichten, kulturellen Hintergründe und ihre gemeinsame Leidenschaft auf besondere Weise verweben. Beide zählen längst zu den prägenden Stimmen einer neuen Generation.

Die Musik von Shuteen Erdenebaatar und Nils Kugelmann lebt nicht von Lautstärke, sondern von Intensität und Feingefühl. Ihr Zusammenspiel ist getragen von Vertrauen, großer Aufmerksamkeit und einer spürbaren Nähe, die über das Musikalische hinausgeht. So entsteht ein intimer Klangraum, in dem sich ihre unterschiedlichen Perspektiven verbinden – und in dem hörbar wird, wie eng ihre künstlerischen und persönlichen Wege miteinander verwoben sind.

Weitere Infos: Jazztage – Kulturamt Ingolstadt
Tickets sind ab sofort online bei Ticket regional unter www.ticket-regional.de
sowie an der Info im WestPark in Ingolstadt erhältlich.

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