Opfer der NS-„Euthanasie“ aus Ingolstadt

    Zum Gedenktag an die Opfer der NS-„Euthanasie“ findet am Sonntag, 18. Januar, um 19 Uhr, ein Vortragsabend mit Juliane Günther und Agnes Krumwiede, beide vom Projekt „Opfer des Nationalsozialismus in Ingolstadt“ am Stadtarchiv Ingolstadt, Christian Pfleger, Historiker und Mitarbeiter in der Akutpsychiatrie des kbo-Isar-Amper Klinikums Taufkirchen (Vils), und Peter Eigelsberger, Leiter der Dokumentationsstelle des Lern- und Gedenkortes Schloss Hartheim, im Seminarraum „Christa Habrich“ des Deutschen Medizinhistorischen Museums statt.

    Zwischen 1939 und 1945 wurden im Rahmen der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Aktionen etwa 200.000 Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Behinderungen ermordet. Am 18. Januar 1940 fand die erste Deportation der Gasmordaktion „T4“ von der Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar in eine Tötungsanstalt statt. Dieser Tag ist daher dem Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde gewidmet.

    Opfer der NS-„Euthanasie“-Morde aus Ingolstadt
    Bisher sind 57 Ingolstädter Bürgerinnen und Bürger bekannt, die zwischen 1940 und 1941 in einer NS-Tötungsanstalt ermordet wurden, weil sie psychisch erkrankt oder behindert waren. Mindestens 30 Menschen aus Ingolstadt fielen den dezentralen NS­ „Euthanasie“- Morden zum Opfer. Sie wurden überwiegend in der Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar durch Mangelernährung, Medikamentenüberdosierung oder systematische Vernachlässigung getötet. In der „Kinderfachabteilung“ der Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar sind zudem fünf Kinder aus Ingolstadt im Rahmen der sogenannten „Kindereuthanasie“ durch Medikamentenüberdosierung ermordet worden.

    Seit vier Jahren forscht das Projekt „Opfer des Nationalsozialismus in Ingolstadt“ am Zentrum Stadtgeschichte zu den Opfern der NS-„Euthanasie“ aus Ingolstadt und dem ehemaligen Landkreis. Juliane Günther und Agnes Krumwiede stellen die Zwischenergebnisse der Recherchen vor. In diesem Jahr werden Biografien von Ingolstädter Opfern der NS-„Euthanasie“ vorgestellt, die in der Gaskammer von Schloss Hartheim ermordet wurden. Unter ihnen auch Personen, die zuvor in der Landesfürsorgeanstalt Taufkirchen (Vils) untergebracht waren.

    Die Landesfürsorgeanstalt Taufkirchen (Vils)
    In der von kbo-Amper-Klinikum Taufkirchen a. d. Vils herausgegebenen Publikation „Landesarmenanstalt – Fürsorgeheim – psychiatrische Klinik“ hat Christian Pfleger die Geschichte der früheren Landesarmenanstalt während der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus aufgearbeitet. Ab November 1934 befand sich hier auch eine „Arbeitsabteilung“ im Rahmen des nationalsozialistischen fürsorgerechtlichen Arbeitszwangs. Pfleger wird in seinem Vortrag u. a. auf die Überschneidungen der sozialrassistischen NS-Verfolgung mit der NS-„Euthanasie“ eingehen.

    Die Tötungsanstalt Hartheim
    Während der sogenannten „Aktion T4“, die zwischen 1939 und 1941 von der Zentrale in der Berliner Tiergartenstraße 4 („T4“) organisiert worden ist, wurden bis 1941 über 70.000 Menschen in sechs Tötungsanstalten deportiert und dort in Gaskammern ermordet. Zur Tarnung bezeichneten die Nationalsozialisten diese Tatorte als „Reichsanstalten“.
    56 Ingolstädter Opfer der „Aktion T4“ wurden in der Tötungsanstalt Hartheim ermordet. Insgesamt fanden 30.000 Menschen im Rahmen der „Aktion T4“ und der NS-Aktion „Sonderbehandlung 14f13“ in der Gaskammer von Schloss Hartheim den Tod.
    Die Katastralgemeinde Hartheim liegt bei Linz in Oberösterreich und gehört zur Gemeinde Alkoven. Was wussten die Bewohnerinnen und Bewohner dieses kleinen Ortes von dem, was sich vor ihrer Haustür im Schloss abspielte? Was erlebten die dort auf engstem Raum zusammengepferchten Menschen in den letzten Stunden vor ihrer Ermordung? Wer waren die Täter und wurden sie je juristisch zur Verantwortung gezogen? Wie wird am ehemaligen Tatort an die Opfer erinnert?
    Kaum jemand kann zu diesen Fragen besser Auskunft geben als Peter Eigelsberger, dessen Arbeitsplatz sich im zweiten Obergeschoss des Schlosses Hartheim befindet. Seit vielen Jahren forscht er zur NS-„Euthanasieanstalt“ und führt regelmäßig Besucher/-innen und Angehörige durch den Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim.

    Dauer ca. 70 min, Eintritt frei.
    Der Vortrag findet im Seminarraum „Christa Habrich“ des DMMI statt und wird online übertragen. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

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    Datum

    Jan. 18 2026

    Uhrzeit

    19:00 - 21:00

    Standort

    Deutsches Medizinhistorisches Museum
    DMMI, Anatomiestraße 18-20, 85049 Ingolstadt
    Webseite
    http://www.dmm-ingolstadt.de

    Kategorie

    Veranstalter

    Zentrum Stadtgeschichte Ingolstadt
    Webseite
    https://zentrumstadtgeschichte.ingolstadt.de
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