Wiedehopf trifft Bustrophedon: Science Slam im kelten römer museum

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    Hätte der Lateinunterricht nicht auch so unterhaltsam sein können? Das ist nur eine der Fragen, die man sich als Zuschauer beim herrlich unterhaltsamen Science Slam im kelten römer museum in Manching stellte. Unter dem Titel „Heureka!“ kämpften vier Wissenschaftler und eine Wissenschaftlerin um die Gunst des Publikums und man darf vorweg nehmen: Eigentlich haben sie alle gewonnen, denn jeder Vortrag erweiterte den Horizont des Publikums und sogar den der Mitstreiter. „Das ist heute Abend ein bisschen wie Harald Lesch. Nur es gibt was zu gewinnen,“ machte der „Andi Borg der Klassischen Archäologie“, Moderator Markus Strahaus vom kelten römer museum zu Beginn klar.

    Sieg dank Bustrophedon

    Bus…was? Ein Bustrophedon ist kein Verwandter des Mastodon, sondern ein Text, den man Zeile für Zeile in abwechselnder Richtung schreibt und liest. Mit seinem Vortrag über ein solches hat Dr. Stefan Merkle von der LMU München den Sieg geholt und sich damit das goldene Keltenbäumchen (nicht das echte – das verbleibt natürlich im Museum) verdient. Im Mittelpunkt seines Vortrags stand ein geradezu magisches Buchstabenquadrat aus der Antike, nämlich das „Sator-Arepo-Quadrat“.

    Es ist nicht nur ein doppeltes Palindrom und in unterschiedlichsten Richtungen zu lesen – zum Beispiel „furchenwendig“, sondern bietet auch Platz für jede Menge Interpretationen bis hin zum Vaterunser. Je nach Leserichtung. Aber vielleicht liegt ja genau darin das Geheimnis. Ein Schild mit jenen magischen Worten würde sich sehr gut am Haus machen: „Das Böse kommt an die Tür, fängt an zu lesen, kommt nicht mehr raus aus der Nummer und verzweifelt.“

    Heilsversprechen, Blutwunder, Zwerge und antike Vogellaute

    Den Reigen der Vorträge eröffnete der freiberufliche Wissenschaftler, Moderator, Coach, Slammer und vor allem Altgermanist Simon Hauser aus Berlin: „Warum sind Geisteswissenschaftler geeignet für Führungspositionen? Weil wir Interpunktion beherrschen. Der Doppelpunkt ist in einer Magisterarbeit in Altgermanistik ganz wichtig. Davor steht der Unfug, danach steht der Blödsinn.“ Hauser legte für seinen Vortrag dazu eine Mönchskutte an, denn es ging um die Heilsspiegel-Handschrift aus der Schlossbibliothek Berleburg und deren Entschlüsselung. Dabei nahm der das Publikum mit bis nach Bologna, wo die Ursprünge der Heilsspiegel-Texte liegen. Ein weiser Dominikaner soll daran beteiligt gewesen sein – so keusch, dass „er sich geweigert hat von einem ausgezogenen Tisch zu essen.“

    Mit Heiligen ging´s auch gleich weiter. Genauer: Der heilige Januarius und sein Blutwunder standen im Mittelpunkt des Vortrags von Matthias Mader, Physiker an der LMU München. In Neapel wird das Blut des enthaupteten Märtyrers in einer Phiole aufbewahrt, wo es sich an bestimmten Tagen verflüssigt. Im Prinzip kann dieses Phänomen von jedem selbst verursacht werden, bewies der Wissenschaftler und lieferte die Anleitung zur Herstellung einer thixotropen Flüssigkeit, also einer, die sich beim Schütteln verflüssigt. Ketchup zeige den selben Effekt. „In Neapel gibt es die Familie des Heiligen Januarius. Das sind vorzugsweise alte Damen, die unter wüsten Wehklagen das Wunder herbei schwören, das wäre jetzt ihre Aufgabe,“ meinte er zum Publikum. Klatschen tue es aber in diesem Fall auch und so wurde ein Fläschchen „Blut“ gezückt und das Wunder geschah.

    Schwerter. Die haben es dem Archäologen Jens Notroff (Berlin) angetan. Er berichtete von Miniaturschwertern, die den verstorbenen Wikingern in der Bronzezeit mit ins Grab gegeben wurden: „Für so kleine Schwerter kann es nur eine einzige logische Erklärung geben: Zwerge!“ Doch die wissenschaftliche Erklärung hatte dann doch weniger mit Fantasy Gestalten als mit den Veränderungen in der Bestattungskultur zu tun. Schade, findet der Archäologe: „Mir hat die Zwergenidee aber besser gefallen.“

    Dem sehr speziellen Spezialgebiet der antiken Tierlaute widmete sich Claudia Wick (Bayerische Akademie der Wissenschaften), die mit altgriechischen Versen, die Vogellaute imitieren, den Vogel sprichwörtlich abschoss. Sie erläuterte auch, dass das moderne Griechisch Einfluss auf die Tierlaute hat: „Das hat schwerwiegende Konsequenzen für die Schafe und die Ziegen. Es hat dazu geführt, dass die antiken bäh-bäh Schafe heute wi wi blöken.“ Zum Schluss rezitierte sie das altgriechische Lied des Wiedehopfs mit seiner Freestyle-Metrik, das einer Spaßbremse wie Platon übrigens tierisch auf die Nerven ging. Dem Publikum nicht.

    Mit dem Science Slam haben Museumsleiter Tobias Esch und sein Team jedenfalls einen echten Volltreffer gelandet, der bewies: Wissenschaft kann so was von Spaß machen. Gerne wieder! Auch mit Wiedehopf und Bustrophedon. (ma)

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