Am Anfang war die Landesgartenschau. Also die im Jahr 1992 im Ingolstädter Klenzepark. Dann blühte im Kunst-Werk im Klenzepark die Idee auf, aus Improvisationen Theaterstücke auf die Beine zu stellen. 2002 ist Daniela Richter dort mit eingestiegen und war nicht die einzige, die von den regelmäßigen Gastspielen des Fastfood Improtheaters aus München so begeistert war, dass man das selbst ausprobieren wollte. So entstand eine Ingolstädter Improtheatergruppe, die von Andreas Richter, dem Ehemann von Daniela, geleitet wurde: „Wir haben in der Gruppe trainiert. Das große Thema war dann das Auftreten und hier haben wir die Gruppe ein bisschen hinters Licht geführt,“ erinnert sich Andreas Richter, 1, Vorstand des g’scheiterhaufen. Unter dem Vorwand, dass es sich um Kost-Proben, also öffentliche Proben handeln würde, hat man die Truppe letztendlich im Kunst-Werk öffentlich auftreten lassen – einmal im Monat. Das Ingolstädter Improtheater war geboren. „Bei der ersten Kost-Probe hatten wir zwei Zuschauer, bei der zweiten vier, bei der dritten schon acht. Wir dachten, wenn sich das weiter so entwickelt, wird alles gut“, ergänzt Daniela Richter.

Es hat sich weiterentwickelt! 2006 fanden schließlich die ersten Auftritte des Ingolstädter Improviationstheaters unter dem Namen „g’scheiterhaufen“ statt. Andere Ideen wie „Improsant“ wurden diskutiert, auch Scheiterhaufen, weil hier das Scheitern drin steckt. „Aber wir sind ja auch gscheite Leut“, betont der erste Vorstand und so wurde es der „g’scheiterhaufen“. 2009 ist er erste nicht rechtsfähige Verein mit acht Mitgliedern gegründet worden, 2016 wurde daraus der gemeinnützige Verein g’scheiterhaufen Theater e.V. Seit 2013 wird nicht nur Theater gespielt, sondern auch Improtheaterkurse und verschiedene Theaterprojekte für Kinder und Jugendliche angeboten. Das Auftritts-Ensemble besteht aktuell aus 10 Schauspielenden und zwei Musikern, insgesamt gibt es 26 Vereinsmitglieder.

20 Jahre Improtheater – da war ordentlich was los. Zum Beispiel beim Krimi-Dinner, das über mehrere Jahre im Hollerhaus und zuletzt im Oldtimer Hotel gespielt wurde. „Ebenso spannend waren auch die Langformen, die wir entwickelt haben wie die Führungen durch die Innenstadt zum 550-jährigen Jubiläum der Hohen Schule. Für mein E-Piano haben wir da extra ein Wägelchen und einen Akku gekauft, damit ich durch die Stadt ziehen kann,“ erklärt Dirk Rutenbeck, 2. Vorstand und -neben Norbert Müller – ein Musiker im g’scheiterhaufen. Dass die Ingolstädter auch immer Live-Musik (ebenfalls als Improvisation) in ihre Shows einbauen, ist ein Alleinstellungsmerkmal der munteren Truppe. Ein Sinng’spiel „Live vom Scherbelberg“, kriminelle Mordsg’schichten, Impro-Cups und Impro-Matches, Auftritte im Rahmen der Napoleon-Landesausstellung in Ingolstadt, die GaunerG’schichten und sind neben den regelmäßigen Shows im Kunst-Werk auf der Haben-Seite des Vereins verbucht. „Am Anfang haben wir ganz viel nach dem System Versuch und Irrtum ausprobiert“, erinnert sich Daniela Richter, die als ausgebildete Theater-, Musik- und Bewegungspädagogin nicht nur als Trainerin, sondern auch als künstlerische Leiterin des g’scheiterhaufens fungiert.
Teamwork statt Selbstdarstellung
Improtheater. Das heißt: kein Auftritt ist wie der andere. Das Publikum spielt eine wichtige Rolle, weil es die Geschichten und Figuren beeinflusst. Techniken und Fertigkeiten der Schauspielerinnen und Schauspieler müssen über Jahre geübt und verfeinert werden. Deswegen spricht man auch nicht von Theaterproben, sondern von Training. Das dauert jeweils mehrere Stunden. Mindestens einmal im Jahr gönnt man sich auch einen fremden Trainer, um den Blick von außen nicht zu verlieren. Improtheater – das ist grundsätzlich etwas für Teamplayer und nicht für Selbstdarsteller: „Das Wichtige ist, auf den Impuls, den einem der andere gibt, zu reagieren und den Impuls zuzulassen, ohne im eigenen Gedanken fest zu sitzen. Sonst passiert es, dass man aneinander vorbei spielt, weil jeder andere Vorstellungen hat,“ beschreibt Uli Rödinger (3. Vorstand) die Kunst des Improtheaters.

Dass man jetzt ausgerechnet in Sachen „Location“ improvisieren muss, war keine willkommene Herausforderung. In der historischen Flankenbatterie im Klenzepark, in der das Kunst-Werk und damit auch die Improtheater-Bühne untergebracht ist, war man nun 20 Jahre lang zuhause. Doch seit einigen Monaten tropft es durch das Dach, es modert, die benachbarte Gastronomie hat dicht gemacht und damit auch die Toiletten: „Vielleicht sind wir die letzten Überlebenden, denn Kaninchen gibt es im Klenzepark ja auch nicht mehr“, scherzt Andreas Richter. Für die Shows ist man nun ins KAP94 ausgewichen und die Zeit wird zeigen, ob die Flankenbatterie jemals wieder bespielt werden wird. Wie gut, dass man für den runden Geburtstag schon eine Idee hatte…
20 Jahre g’scheiterhaufen – die Geburtstagstournee
Zum 20-jährigen Bestehen im Jahr 2026 hat sich die Truppe Großes vorgenommen: „Wir bespielen alle Stätten, wo wir schon mal waren!“ erklärt Andi Richter. Und das waren eine ganze Menge. Deswegen ist eine Tournee daraus geworden, die das Improtheater und handverlesene Gäste an die unterschiedlichsten Locations in der Region bringt. (ma)
Termine 2026 im Überblick
Freitag, 30. Januar KAP 94 Gäste: Showbuddies aus Ulm Samstag, 28. Februar Neue Welt mit Special Guests
Freitag, 27. März Backhaus Gaimersheim Mini Improcup
Samstag, 25. April Neue Welt Gäst4: Spatzenhirne aus Ulm
Samstag, 23. Mai Schrätzenstaller Hettenshausen mit Special Guests
Freitag , 26. Juni Zoo Wasserstern Gäste: Jens Rohrer, Melanie Arzenheimer
Freitag, 25. September Neue Welt Gäste: Rollenrausch aus Nürnberg
Freitag, 30. Oktober Backhaus Gaimersheim mit Volle Möhre aus Nürnberg
Freitag, 27. November Neue Welt mit Peter und Rahel (ImproArt München)
Freitag, 18. Dezember Neue Welt Jahresabschlussfeier
Ticktes und Infos gibt es unter www.gescheiterhaufen.de
Kurz notiert:
g’scheiterhaufen theater e.V.
Flankenbatterie 105
85051 Ingolstadt
gscheiterhaufen.de
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