Der legendäre Max Emanuel im Armeemuseum

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    Sich in Szene setzen, eigene Erfolge feiern, ein Image erschaffen und pflegen – das ist keine Erfindung im Zeitalter von Social Media. Was heute der Insta-Kanal ist, war früher der vielfach verbreitete Kupferstich. Und damals wie heute gehörte das richtige Styling für den Super-Promi dazu.

    Der Beweis? Die Sonderausstellung „Making Max Emanuel – Wie wird man zur Legende?“ im Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt. Hier hat sich Kuratorin Dr. Priscilla Pfannmüller eines bayerischen Superstars aus dem Barock angenommen. Kurfürst Maximilian II. Emanuel von Bayern (geb. 1662), genannt der „blaue Kurfürst“. Der Inbegriff des barocken Herrschers, der als Draufgänger, „Türkenbezwinger“ und „Befreier von Belgrad“ berühmt wurde, der dem französischen Sonnenkönig nacheiferte und den Löwen als Markenzeichen pflegte, ist am 26. Februar 1726 verstorben. Zu seinem 300. Todestag wurde nun im Neuen Schloss in Ingolstadt die Sonderausstellung eröffnet, die sich mit dem Mann, seinem Image, seiner Imagepflege und den Nachwirkungen bis heute auseinandersetzt. Spektakuläre Ausstellungsstücke inklusive.

    Ein japanisches Lackkabinett ist das wertvollste Stück der Ausstellung.

    „Wir gehen nicht chronologisch durch die Zeit, sondern spielen ein bisschen,“ erklärte Dr. Priscilla Pfannmüller beim Presserundgang. Los geht es aber trotzdem mit der Geburt des ersehnten Thronfolgers 1662, die in München gleich einmal mit Jagden, Illuminationen und einem mehrtägigen, prunkvollen Fest samt Oper, Schauturnier und Feuerwerk gefeiert wurde. Damit war klar, wo es hin geht: aus diesem Baby sollte mal ein Star werden. Und so ist es auch geschehen. Prunkvolle Waffen, Uniformen, Medaillen mit dem Antlitz des Herrschers, zahlreiche Stiche, ein äußerst kunstvolles Lackkabinett und vieles mehr zeugt von der (Selbst)Inszenierung des Herrschers als Retter Bayerns. In einem Buch aus dem 17. Jahrhundert über die Heldentaten des Kurfürsten wird er sogar als Mischwesen aus Mensch und Löwe dargestellt. Heute würde man das als „Superhelden Graphic Novel“ bezeichnen.

    In den acht Kapiteln der Ausstellung wird dieses Image den Fakten gegenübergestellt: „Es geht nicht darum, Max Emanuel vom Thron zu stoßen,“ betont Dr. Priscilla Pfannmüller. Doch der Blick hinter die fast schon theatrale Fassade zeigt, dass zum Beispiel etliche der als  „Türkenbeute“ deklarierten Objekte gar nicht beim Feldzug gegen die Osmanen erbeutet wurde. So stellte sich der in der Ausstellung gezeigte Prunksattel als schnöder Ankauf heraus – vermutlich war es der Großvater Max Emanuels, der das gute Stück erworben hatte. Auch die Karriere des Kurfürsten war gar nicht so glanzvoll, wie er es darstellen ließ: Die Militärische Aufrüstung (Max Emanuel gilt als Gründer der bayerischen Armee) und extravagante Hofhaltung belasteten die Staatskasse massiv. Mehr noch: Nach dem Desaster von Höchstädt 1704 verlor Max Emanuel die Kurwürde und floh ins französische Exil. Nur die Gleichgewichtspolitik der europäischen Großmächte brachte ihm Land und Rang zurück.

    Oberstes Ziel der Herrschaft von Max Emanuel war die Erlangung der Kaiserwürde. Ihm gelang das nicht, aber sein Sohn Karl Albrecht regierte schließlich als Karl VII., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Der „blaue Kurfürst“ wurde unterdessen zur Legende und sein Heer prägt bis heute das Aussehen von Zinnfiguren und Reenactment Gruppen.

    Und warum der „blaue Kurfürst“?

    In den meisten Texten zu Max Emanuel wird das damit erklärt, dass er blaue Uniformen bevorzugte und in einer blauen Uniform in die Schlacht gegen die Osmanen gezogen ist. So steht es in einem osmanischen Brief. Weil dieser aber nur noch in einer holländischen Übersetzung überliefert ist, könnte es sich auch um einen Übersetzungsfehler handeln, so Dr. Priscilla Pfannmüller. Und: Auf den Uniform-Bildern von Anton Hoffmann trägt der Kurfürst einen roten Rock.

    Eher um Rockmusik – aber auch um Pop – geht es in der Playlist, die eigens zur Ausstellung erstellt wurden. Sie findet man auf Spotify.

    Und ein Tipp für die Ingolstädter, die die Schau besuchen: Zu sehen sind vier von insgesamt 28 Blättern aus grafischen Sammlung des Armeemuseums, die eine Karte von Ingolstadt und Umgebung zeigen. Der Plan wurde im Jahr 1723 von Peter de Coquille (1685-1752) gezeichnet. Nicht nur das ein sehenswertes Objekt. (ma)

    Kurz notiert:
    Making Max Emanuel – Wie wird man zur Legende?
    bis 4. Oktober 2026
    Bayerisches Armeemuseum
    Neues Schloss
    Paradeplatz 4
    85049 Ingolstadt
    www.armeemuseum.de

    Bushaltestelle:
    Paradeplatz

    Barrierefreiheit:
    Die Räumlichkeiten des Neuen Schlosses sind für gehbehinderte Besucher erschlossen. Die Anfahrt zum behindertengerechten Parkplatz erfolgt über die Roßmühlstraße.

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