Vorfreude auf den Vohburger Festspielsommer

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„Der Sprung ins Freie war sehr gewagt!“ Damit meint Ernst Grauvogl die Entscheidung, die Agnes-Bernauer-Festspiele 2001 auf dem Burgberg in Vohburg aufzuführen – als aufwändige Freilicht-Inszenierung. Der baufällige Theatersaal hatte den Ausschlag gegeben. Ernst Grauvogl war damals der Regisseur des Schauspiels: „Das war eine ganz neue Dimension und hätte den Verein ruinieren können. Aber mit 20 000 Zuschauern wurde es ein unglaublicher Erfolg.“ Die Inszenierung von 2005 war sogar das größte Theaterprojekt im gesamten Landkreis Pfaffenhofen. Entgegen kommt den Vohburgern dabei der Veranstaltungsort: „Weer hat im Stadtkern schon einen Bereich, der er komplett absperren kann.“ Und der dazu noch so eine malerische Kulisse bietet.

Begonnen hatte die Festspiel-Tradition in Vohburg 1909. Der katholische Bürgersöhne- und Gesellenverein, später die Kolpingsfamilie Vohburg, brachte das Stück zunächst im 25-jährigen Rhythmus auf die Bühne. Seit 2001 wird alle zwei Jahre gespielt – aber es dreht sich nicht mehr alles nur um die berühmte Baderstochter. Don Camillo, der Brandner Kaspar und das königlich bayerische Amtsgericht waren beispielsweise schon „zu Gast“ auf dem Burgberg.

Die „Location“ spielt auch immer eine wichtige Rolle – wie hier in der Inszenierung von 2005. (Foto: Freilichtfestspiele Vohburg)

Seit 2009 werden externe Profi-Regisseure für die Inszenierungen der Freilichtfestspiele engagiert: „Damit sind wir sehr gut gefahren“, betont Grauvogl. In diesem Jahr übernimmt Falco Blome diese Aufgabe, der für seine Regiearbeiten in Ingolstadt und Pfaffenhofen bekannt ist. Zuletzt wurde die tragische Liebesgeschichte zwischen Herzog Albrecht III. und Agnes Bernauer 2013 aufgeführt. Und in diesem Sommer ist es wieder soweit. Rund 100 Mitwirkende, prächtige Kostüme (handverlesen von Helmuth Eisele – dem zweiten Festspielurgestein neben Ernst Grauvogl), ein spektakuläres Bühnenbild, Reiter, Kutschen und Musik werden wieder mit dabei sein. In die Hauptrollen schlüpfen Emma Reichel und Philipp Lederer, die beide bereits Festspiel-Erfahrung besitzen und in unterschiedlichsten Rollen auf der Freilicht-Bühne standen – zuletzt als Hermia und Lysander in Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“. Bis zur Premiere werden gemeinsam unendlich viele ehrenamtliche Arbeitsstunden in das Großprojekt gesteckt: „Das gefällt mir am Theater so gut. Wir wachsen als Gemeinschaft sehr zusammen,“ schwärmt Grauvogl. Das Ergebnis des Teamworks ist ab dem 2. Juli auf dem Burgberg in Vohburg zu sehen.

Zur Aufführung kommt das Stück von Dr. Isabella Kreim, das 2009 und 2013 (Neuinszenierung) gezeigt wurde. Im Interview mit Bayern mittendrin spricht die Theaterwissenschaftlerin und Kulturjournalistin (Kulturkanal Ingolstadt) über die historische Figur und die weibliche Sicht auf ihr Schicksal.

Agnes Bernauer hat im frühen 15. Jahrhundert gelebt. Welche Quellen konntest du da überhaupt heranziehen? Gibt es von ihr selbst schriftliche Hinterlassenschaften?

Ich habe viel recherchiert und alles, was historisch belegt ist wie z.B. das Bankett am Münchner Hof, bei dem Agnes gedemütigt wurde, irgendwie in meinem Theaterstück „verbraten“.  Auch Albrechts Teilnahme am blutigen Kreuzzug gegen die böhmischen Hussiten hat Eingang gefunden in Form ihrer Angst um ihn und der möglichen Traumatisierung des Kriegsheimkehrers. Diese Liebe hatte also durchaus Krisen zu bewältigen. Auch seine Bemühungen trotz seiner Liebe zu Agnes standesgemäß zu heiraten, sind historisch verbürgt.  Weitere historische Quellen wie die Begründung ihrer Hinrichtung gegenüber dem Kaiser sind mehr oder weniger wörtlich eingeflossen.

Nachdem mein Theaterstück fertig war, kam eine neue Biografie über Agnes Bernauer heraus, und ich war sehr erleichtert und auch ein wenig stolz, dass die Historikerin Marita Panzer auch nichts wesentlich Neues gefunden hatte und meine Sicht auf die Ereignisse teilt.

Wie würdest du sie beschreiben? Was für ein “Typ” war Agnes Bernauer nach deinen Recherchen?

Das Vorgängerstück aus dem 19.Jahrhundert trug den Untertitel „Der Engel von Augsburg“. Das sagt schon alles. Von diesem romantischen Klischee, dem „Aschenputtel“-Märchen vom Herzogssohn und dem armen, aber „liebreizenden“ Mädchen und auch von ihrer moralischen Diskreditierung als „Badhur“ wollte ich weg.  Wir lernen Agnes gleich in der 1. Szene als eine mutige, aufmüpfige junge Frau mit Zivilcourage kennen. Sie nimmt ein behindertes Mädchen vor dem Mob und auch den adeligen Schnöseln  (darunter Herzog Albrecht) in Schutz. Der Zusammenprall konträrer Welten schlägt Funken. Agnes ist eine junge Frau, die sich nichts gefallen lässt, die sagt, was sie denkt und empfindet. Sie ist ehrgeizig, mutig, ein wenig eigensinnig und will von dieser Oberschicht akzeptiert werden. Nicht nur als Maitresse Albrechts, sondern als Herzogin. Das ist ihr Todesurteil.

Nun hast du als Frau ein Theaterstück über Agnes Bernauer geschrieben – ist deine, die weibliche Sicht, eine andere?

Ich hoffe doch, man muss nicht Frau sein, um zu erkennen, dass diese Standesgesellschaft lieber einen Mord begeht als zu dulden, dass eine Frau aus einfachen Verhältnissen als gleichwertig angesehen wird.

Ein Herrscher, politische Machtspiele, das Opfer: eine Frau. Was kann uns das Schicksal von Agnes Bernauer heute noch sagen?

Agnes Bernauer wurde im Auftrag des Herzogs, Albrechts Vater, umgebracht, allein wegen ihrer sozialen Herkunft. Ein klassischer Femizid aus Staatsräson, ein christlich motivierter „Ehrenmord“. Die Brücken zur Diskriminierung von Liebesbeziehungen zwischen Menschen unterschiedlicher kultureller oder sozialer Herkunft von heute sind offensichtlich. Es ist ein tragischer Konflikt zwischen dem Glücksanspruch der Einzelnen und den Normen der Gesellschaft. Und die Frage bleibt: Kann die Liebe wirklich alle Grenzen und Vorurteile überwinden? (ma)

Kurz notiert:
Agnes Bernauer Freilicht-Festspiele
02.–19. Juli 2026
Burgberg
85088 Vohburg
Infos: freilichtfestspiele.de
Tickets: okticket.de

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