Bayerische Heeresgeneräle der frühen Bundeswehr
Das Bayerische Armeemuseum lädt am 13. Oktober 2026 um 18 Uhr im Neuen Schloss Ingolstadt zu einem Vortrag von Prof. Dr. Peter Lieb zum Thema „Von der NS-Diktatur zur Demokratie. Bayerische Heeresgeneräle der frühen Bundeswehr“.
Als die Bundeswehr 1955 aufgestellt wurde, war die gesamte Generalität und das höhere Offizierkorps kriegsgedient und hatte einst den Eid auf Hitler abgelegt. Nun dienten diese Männer loyal der Bundesrepublik und trugen damit erheblich zur Konsolidierung eines demokratischen Staatswesens bei. Der Vortrag will anhand von vier Generälen bayerischer Herkunft (Max Pemsel, Karl-Wilhelm Thilo, Friedrich Übelhack und Ernst Ferber) den Weg von der NS-Diktatur zur demokratischen Bundesrepublik nachzeichnen. Im Mittelpunkt stehen mentale Prägungen durch Krieg und Nationalsozialismus sowie Brüche und Wandlungsprozesse nach 1945.
Alle vier vorgestellten Protagonisten stehen stellvertretend für die Probleme, Herausforderungen und Perspektiven der Militärelite in der jungen Bundeswehr. Generalleutnant Pemsel galt nach 1945 als honorige Persönlichkeit, doch in Wahrheit hatte er eine problematische Kriegsvergangenheit und war in Massenverbrechen verwickelt. Diese Schatten der Vergangenheit fielen auch in gewissem Maße auf Generalleutnant Thilo, der sich gleichzeitig aber mit besonderem Eifer um die Integration der Bundeswehr in den freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat bemühte. General Ferber hingegen ließe sich aus heutiger Sicht als Musterbeispiel eines reflektierten und im Zweiten Weltkrieg weitgehend unbescholtenen Offiziers bezeichnen, der zudem die Bundeswehr der 1970er Jahre stark prägte. Generalleutnant Übelhack steht schließlich für zahlreiche Personen aus der Vergangenheit: Wir wissen nur sehr wenig über sein Denken und Handeln für die Zeit vor und nach 1945.
Der Militärhistoriker Dr. Peter Lieb promovierte nach Aufenthalten am Deutschen Historischen Institut Paris und als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte zum Thema „Konventioneller Krieg oder NS-Weltanschauungskrieg? Kriegführung und Partisanenbekämpfung in Frankreich 1943/44“. Als Oberstleutnant absolvierte er Reservedienstleistungen beim Führungsstab der Streitkräfte in Bonn und als Ausbilder an der Gebirgs- und Winterkampfschule (Geb/WiKpfS) in Mittenwald. Seit 2024 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich Militärgeschichte nach 1945 am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam.
