Herbstzeit ist Spielezeit: Draußen tobt der Sturm, drinnen wird gezockt. Spielen in gemütlicher Runde ist da genau das Richtige. Ich lade euch ein zu einer kleinen Reise: nach China, einmal um die Welt und in die Steinzeit. Für jeden ist etwas dabei: für Experten, Familien und Kinder.
Am besten passt eine heiße Tasse Tee dazu – da kommt uns Tea Garden gerade recht. Hier bauen wir Teegärten in China, ernten Teeblätter, handeln mit Karawanen und verbessern unseren Tee. Das Ganze funktioniert über Karten, die uns verschiedene Aktionen ermöglichen. Neue Karten machen unser Deck stärker. Besonders gelungen finde ich das Spiel mit den Teeblättern: Frischer Tee verliert mit der Zeit an Qualität, fermentierter Tee wird dagegen besser.
Tea Garden ist allerdings kein Spiel für einen schnellen Feierabend. Rund zwei Stunden sollte man schon mitbringen – und etwas Geduld. Die Regeln sind nicht übermäßig kompliziert, aber die Möglichkeiten sind vielfältig. Mein Fazit: schön verzahnt, angenehm strategisch und optisch gelungen. Für mich ein Spiel, bei dem man gerne noch eine Partie dranhängt – am besten mit einer Tasse Tee.
Tea Garden von Tomáš Holek, erschienen im Verlag Huch!, ca. 42 Euro.
Fernweh am Spieltisch: Bei Trekking – Reise um die Welt geht es einmal rund um den Globus. Wir reisen von Ort zu Ort, sammeln Souvenirs und versuchen, möglichst interessante Sehenswürdigkeiten zu ergattern. Dafür brauchen wir die richtigen Karten und müssen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.
Die Regeln sind angenehm einfach. Trotzdem steckt mehr Taktik drin, als man zunächst denkt. Denn die Mitspieler können einem jederzeit einen Strich durch die Rechnung machen. Gerade noch plant man den Besuch der Akropolis – und plötzlich steht jemand anderes dort. Pech gehabt, nächste Sehenswürdigkeit!
Besonders gut gefällt mir die Mischung aus Planung und Überraschung. Auch die Gestaltung ist toll: Die Weltkarte und die Karten mit den Sehenswürdigkeiten machen richtig Lust auf Urlaub. Eine unterhaltsame Weltreise also – ganz ohne Jetlag und verlorenes Gepäck.
Trekking – Reise um die Welt von Charlie Bink, erschienen im Verlag Game Factory, ca. 44 Euro.
Zum Schluss geht es in die Steinzeit – und da wird es ordentlich rumpeln. Bei Paleolino hilft das kleine Mammut Lino dabei, Rohstoffe ins Dorf zu bringen. Holz, Steine, Beeren und Kristalle rollen einen Berg hinunter und landen in verschiedenen Höhlen. Die Kinder müssen sich merken, wo was gelandet ist, und die richtigen Rohstoffe gemeinsam für Erfindungen einsetzen.
Das Besondere: Die Rohstoffe kommen nicht einfach aus einem Beutel. Sie werden aus einem Faustkeil geschüttelt und kullern dann tatsächlich den Berg hinunter. Das sieht nicht nur lustig aus, sondern macht das Spiel für Kinder richtig spannend.
Mein Fazit: ein durch und durch gelungenes Kinderspiel. Nicht nur nett gemacht, sondern eines, bei dem man merkt: Die Kinder haben tatsächlich Spaß am Spielen – und sind die ganze Zeit voll bei der Sache.
Paleolino von Marco Teubner und Peter Rustemeyer, erschienen bei Hans im Glück, ca. 34 Euro.
Über den Autor:
Brettspielexperte Bernhard Löhlein stellt in Bayern mittendrin neue Spiele vor. Seit Jahrzehnten befasst sich der Ingolstädter Journalist (und Mitglied im Spieleclub Ali Baba) mit Brettspielen. Er war zudem viele Jahre Sprecher der Jury zum Spiel des Jahres.
