Mittagsvisite: Grafik „Die Cholera von Neapel“
Am Dienstag, 19. Mai, um 12.30 Uhr lädt das Deutsche Medizinhistorische Museum zu einer halbstündigen Mittagsvisite ein. Die Kunsthistorikerin Theresa Fehlner stellt ihren Gästen einen Holzstich des neapolitanischen Malers und Illustrators Edoardo Matania vor. Zu sehen ist eine Szene aus dem Cholera-Jahr 1884. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Voranmeldung ist nicht notwendig.
Die Grafik zeigt eine chaotische, gewaltgeladene Straßenszene in einem dicht besiedelten Viertel Neapels. Im Vordergrund klammert sich eine verzweifelte Frau an eine Krankentrage, während im Hintergrund Bürger mit Stöcken und bloßen Händen gegen bewaffnete Uniformierte kämpfen. Die Komposition ist voller Unruhe. Umgestürzte Körbe und Wäsche, die von den Balkonen hängt, unterstreichen das soziale Milieu der „Bassi“, der ärmlichen Wohnungen Neapels. Der neapolitanische Maler und Illustrator Edoardo Matania fängt nicht die Krankheit selbst ein, sondern den Widerstand der Bevölkerung gegen die staatliche Intervention.
Der Ausbruch von 1884 war eine der verheerendsten Epidemien des 19. Jahrhunderts in Italien. Innerhalb weniger Monate starben in Neapel etwa 7.000 bis 8.000 Menschen. Diese Katastrophe war so schockierend, dass sie kurz darauf zum Risanamento führte – einem massiven Stadtumbau, bei dem ganze Elendsviertel abgerissen wurden, um Platz für breite Boulevards und eine bessere Kanalisation zu schaffen.
Fehlner geht in der Mittagsvisite nicht nur auf das Bildprogramm der Grafik selbst, sondern auch auf die Geschichte des Choleraausbruchs in Neapel, die möglichen Gründe für den Widerstand der Bevölkerung und die Reaktionen der Stadtregierung ein.
