Liebe, Tod und Teufelin in Pfaffenhofen

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„Für mich soll´s rote Rosen regnen…“ Der Hildegard Knef Klassiker ertönte in der die Pfaffenhofener Kunstgalerie kuk44 am Internationalen Frauentag und viele der überwiegend weiblichen Gäste stimmten mit ein. Inhaberin Lea Heib hatte zur Eröffnung der Ausstellung „Liebe, Tod und Teufelin“ geladen – ungewöhnlicherweise an einem Mittwoch. Aber die erste rein weibliche Doppelausstellung in der Galerie musste einfach am 8. März, eben jenem Internationalen Frauentag, eröffnet werden. „Ich bin total begeistert, dass mich die Künstlerinnen zu diesem Mittwoch überredet haben, denn die Eröffnung ist total gut besucht“, freute sich Galeristin Lea Heib.

Galeristin Lea Heib (Gesang), Gary Todd (Bass) und Rainer Kuhwald (Akkordeon) ließen es musikalisch Rosen regnen.

Dass weibliche Kunst die längste Zeit unerwünscht war oder wenigstens nicht wahrgenommen wurde, machte Kunsthistorikerin Karin Probst in ihrer Einführung deutlich. Und auch unter den Top 10 der Gegenwartskünstler sind nur zwei Frauen. „Das ist noch ausbaufähig“, meinte Karin Probst, „genauso wie die Preise, die für Kunst von Frauen bezahlt werden.“

Von Flugstunden und “Bardies”

Vorne ein Ton-Torso aus der Reihe der „Bardies“ von Cornelia Benesch. Im Hintergrund die „Gallionsfiguren“ von Ursula Allgäuer.

Zwei Künstlerinnen, die sich in ihren Werken intensiv mit dem Frausein beschäftigen, stellen ihre Werke nun in der Galerie kuk44 aus. Zum einen ist das die Malerin und Illustratorin Ursula Allgäuer. Ihre Bilder, denen immer Zeichnungen zugrunde liegen, schweben zum Teil in der Galerie. Anstatt die großformatigen Frauenfiguren hinter Glas zu packen, hat sie zur Schere gegriffen und sie ausgeschnitten: „Ein Projekt heißt Flugstunde. Ich spiele gerne mit Worten. Nimmt man eine Stunde, um Fliegen zu lernen? Ist es die Stunde, um zu fliegen? Ich lasse das gerne bewusst offen.“ Ursula Allgäuer bearbeitet ihre Zeichnungen mit Schellacktinte nach und lässt sie dann trocknen. Das Ergebnis sind Sommer- und Winterbilder: „Es ist ein Unterschied, ob die in der Sonne trocknen oder auf der Heizung. Manchmal reißen sie auch. Das ergibt stellenweise unglaublich interessante Risse, die für mich für die Weiterverarbeitung inspirierend sind.“ So passen Technik und Thema wunderbar zusammen: Wind und Wetter, Sturm und Sonne, ja Risse in einem Frauen-Leben möchte sie in ihrer Kunst darstellen.

Cornelia Benesch stellt ihre sogenannten „Bardies“ aus. Das Kunstwort setzt sich aus Barbie („diese wahnsinnige, spitzbusige, langbeinige, grauenvolle Blondine“) und dem Wort Body, also Körper zusammen: „Auf diesem Frauenkörper passiert wahnsinnig viel, da liegt das Weltgeschehen, die Außenpolitik, die Ehre, die Bella Figura und an diesem Frauenkörper arbeitet sich die andere Hälfte der Menschheit ab.“ Die dritte Wortkomponente ist hoch aktuell: In den „Bardies“ steckt auch „Baraye“, der Protestsong aus dem Iran, der gerade mit einem Grammy ausgezeichnet worden ist. Übersetzt wird das persische „Baraye“ mit „für“. Und genau das stellen die „Bardies“ auch für Cornelia Benesch dar: Ein Ausdruck für die Frauen, ein Sichtbar werden, eine Stimme und eine Projektionsfläche für alles, was Frauen aushalten müssen. Und doch möchte sie damit zeigen, „dass Frauen Göttinnen sind“. Die „Bardies“ sind aus Ton geformte, weibliche Oberkörper-Plastiken, die wie Harnische das Herz schützen und von denen jede eine eigene Frauen-Geschichte erzählt. Etwa drei Wochen dauert es bis Cornelia Benesch eine dieser Plastiken, die mit z.B. Engobe, unterschiedlichsten Glasuren und ein einem Fall auch mit Nagellack von Dior versehen sind, fertig zu stellen. „Dieser Ton ist total eigenwillig“, erklärte die Künstlerin. „Er lebt und arbeitet mit mir. Ich habe meine Vorstellungen, er ist mein Sparringspartner und wir kämpfen um die Form.“ Das Ergebnis dieses „Kampfes“ ist bis 20. April in der kuk44 Galerie in Pfaffenhofen zu sehen. (ma)

Kurz notiert:
Liebe, Tod und Teufelin
Kunst von Cornelia Benesch und Ursula Allgäuer
Die Ausstellung ist noch bis 20 April 2023 zu sehen.
Galerie kuk44
Auenstraße 44, 85276 Pfaffenhofen
Ein Künstlerinnengespräch findet am 6. April (19 Uhr) statt.
www.galeriekuk44.de

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