Ein Winter mit viel Schnee und Eis – traumhaft. Zumindest für den Augenblick. Aber spätestens, wenn sich die weiße Pracht in eine grauenhafte, schmierige Matsche verwandelt, wünschen wir uns die Sonne zurück. Oder den Strand. Oder eine Zeit mit fortschrittlichen Technologien – alles möglich in der Welt der Brettspiele.
Die Sandburgen von Burgund – Buddeln statt Bauen
Königin Krabbe hat eine Vision: Strandfeeling für Burgund! Wir Spieler sollen unsere Dörfer schmücken – mit Muscheln, Eimern und anderem Sandkram. Klingt simpel, wäre da nicht der sture Würfel. Nur wer die passende Farbe würfelt, darf graben oder die Fundstücke ins Dorf karren. Wer Pech hat, bekommt immerhin einen Rollkäfer als Joker – oder ein königliches Tier, das Punkte bringt.
Das Spiel wirkt wie die kleine, sonnige Schwester des ausgezeichneten Strategiespiels Die Burgen von Burgund, ist aber klar auf Familien und Kinder ausgerichtet. Viel hängt vom Würfelglück ab, weniger von Strategie. Das macht’s locker, aber auch ein bisschen beliebig.
Optisch überzeugt das Material: dicke Pappe, schöne Farben, nichts verrutscht. Spielerisch ist’s ein nettes Sommervergnügen mit Sand zwischen den Zehen – charmant, kurzweilig, aber kein großer Wurf. Trotzdem: Für Kinder ist es ein tolles Spiel. Schnell erklärt, flott gespielt, hübsch anzusehen. Und es funktioniert wunderbar generationsübergreifend.
Die Sandburgen von Burgund von Susanne und Stefan Feld ist erschienen im Verlag Ravensburger, es kostet ca. 30 Euro.
Australis – Entspannt durch den Ozean
Australis lädt ein zu einer gemütlichen Unterwasserreise voller Schildkröten, Clownfische und bunter Korallen. Wer auf hektisches Würfeln und ständiges Grübeln verzichten möchte, findet hier genau das richtige Tempo: alles fließt ruhig, überschaubar und überraschend meditativ.
Die Spieler wählen Würfel, um ihre Schildkröte voranzuschicken, Korallen zu setzen oder kleine Vorteile zu sammeln. Punkte gibt es für Mehrheiten in den Riffen, Clownfische liefern zusätzliche Belohnungen. Zwischen den Etappen locken kleine Wettkämpfe, die den Würfeln noch etwas Spannung geben, ohne dass jemand ernsthaft in Panik gerät.
Ein charmantes Familienspiel, das entspannt und hübsch anzusehen ist. Große Überraschungen oder dramatische Wendungen sollte man nicht erwarten – dafür punktet Australis mit Ruhe, Übersicht und einer ordentlichen Portion Entspannung am Spieltisch.
Australis von Alessandro Zucchini und Leo Colovini ist erschienen im Verlag Kosmos, es kostet ca. 40 Euro.
Nova Era – Zivilisationen lenken mit Würfeln
In Nova Era steuert jeder eine Zivilisation und versucht, durch kluge Entscheidungen Punkte zu sammeln. Das Mittel der Wahl: Würfel. Die sorgen für Spannung, denn zu hohe Werte bringen Unruhe, zu niedrige bremsen die eigenen Pläne. Dazu gibt es Karten mit Technologien, Persönlichkeiten und Regionen – manche stärken euch, andere setzen den Mitspielern zu.
Der Tisch wird schnell voll, die Übersicht kann leiden, und manche Karten überraschen euch hart, wenn sie plötzlich andere überflüssig machen. Wer auf strategische Fiesheiten steht, kann hier richtig Spaß haben; wer Zufall und unerwartete Katastrophen nicht mag, eher weniger.
Trotzdem gelingen immer wieder Runden, in denen alles zusammenpasst: die Würfelglücksfälle, die cleveren Züge, die kleinen Aha-Momente beim Ausspielen der Karten. Nova Era ist also ein spannender Mix aus Taktik, Risiko und Interaktion – mit hübschen Illustrationen, aber auch kleinen Ärgernissen.
Nova Era von Andrea Chiarvesio ist erschienen im Verlag CMON, es kostet ca. 30 Euro.
Über den Autor:
Brettspielexperte Bernhard Löhlein stellt in Bayern mittendrin neue Spiele vor. Seit Jahrzehnten befasst sich der Ingolstädter Journalist (und Mitglied im Spieleclub Ali Baba) mit Brettspielen. Er war zudem viele Jahre Sprecher der Jury zum Spiel des Jahres.
