Schäfflergilde Ingolstadt startet ins Jubiläum

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    Rotes Wams, schwarze Hose, weiße Strümpfe, grüne Mütze – ganz klar: Das steht ein Schäffler! Alle sieben Jahre taucht er auf, um zu tanzen. 2026 ist ein offizielles Schäffler-Jahr (außer in Eichstätt, die tanzen aus der Reihe) und damit ist auch die Ingolstädter Schäfflergilde wieder auf den Straßen und Plätzen der Stadt und im Umland zu erleben. Das Besondere: Die Ingolstädter können auf 125 Jahre Schäfflertanz zurückblicken!

    Aus diesem Anlass hatte man bereits im Frühling zur Pressekonferenz gebeten – das Zeichen war deutlich: Die Schäffler sind startklar für eine ganz besondere Saison. „Wir sind stolz auf die lange Tradition,“ betonte dabei der Leiter der MTV-Schäfflergilde, Reinhard Büchl. Der erste Tanz in Ingolstadt kann für den 6. Januar 1902 schriftlich belegt werden, die Gilde selbst hat sich als Unterabteilung des MTV Ingolstadt 1881 ein Jahr zuvor gegründet und kann deshalb 2026 ihr 125-jähriges Jubiläum feiern. 16 Tanzkampagnen (unterbrochen durch die Weltkriege) mit 275 Mitwirkenden sind seit 1902 durchgeführt worden. Die Ursprünge des Tanzes als Figurentanz in der Faschingszeit gehen freilich weiter zurück, nämlich auf die große Pest in München im Jahre 1517. „Der Schäfflertanz war ein Zunfttanz und es ist der einzige mittelalterliche Zunfttanz, der noch erhalten ist“, so Reinhard Büchl, der im kommenden Jahr in seine vierte Tanzsaison startet.

    Die Geschichte der Ingolstädter Schäffler ist eng mit der Familie Hagn verbunden. Vinzenz Hagn (Jahrgang 1952) ist bereits mit vier Jahren als Mini-Schäffler mit dabei gewesen und war bis 2012 aktiv, er stammt aus einer Familie der Fassmacher, sein Vater und Onkel betrieben die letzte Schäfflerei. Beim Pressetermin blickte er auf eine „tolle Zeit“ zurück, als man beispielsweise bei den Ingolstädter Partnerstädten oder sogar in New York zu Gast war: „Aber unsere wertvollsten Auftritte waren immer die in Einrichtungen für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung“, betonte er. Ohne die Familie Hagn geht bei den Ingolstädter Schäfflern weiterhin nichts, denn sie besetzen vom Vortänzer über den Fassschläger bis zum Reifenschwinger alle Hauptpositionen der aktuellen Gilde.

    Erster Tanz am 10. Januar

    Rund 30 „reine Schäffler“ unterschiedlichster Altersklassen plus Kasperl, Betreuer, Mini-Schäffler (eine Besonderheit der Ingolstädter Gilde – siehe eigener Bericht) und natürlich die Mitglieder des Musikvereins Mailing ergeben zusammen eine rund 60-köpfige Truppe, die mit dem Bus von Station zu Station fährt und schätzungsweise 130 Auftritte zu absolvieren hat. Der erste Tanz findet am Samstag, den 10. Januar auf dem Rathausplatz statt und die Saison dauert dann bis zum Faschingsdienstag. Dabei ist Disziplin und Einsatzbereitschaft bei jedem Wetter eine unbedingte Voraussetzung: „Der zehnte Tanz am Tag muss genauso gut sein wie der erste,“ betont Reinhard Büchl. Dass es trotzdem keine Nachwuchsprobleme gibt und alle immer mit Begeisterung dabei sind, liegt an der hervorragenden Kameradschaft: „Das Besondere daran ist, dass wir uns nur alle sieben Jahre so intensiv sehen. Da hat man sich viel zu erzählen, es wird nie langweilig und das Zusammensein an sechs intensiven Wochenenden macht das Schäffler-Sein aus.“ Auch das Publikum honoriert dieses Engagement: „Bei unseren Auftritten erfahren wir großen Zuspruch von den Bürgern, viele begeisterte Zuschauer sieht man immer wieder”, ergänzt Thomas Deiser, Büchls Stellvertreter in der Gilde und seit 1991 dabei.

    Eine Chronik zum Jubiläum

    „Wenn man 125 Jahre alt wird, macht man sich dazu Gedanken. Unsere Idee war es, eine Chronik zu machen, aber keine klassische Vereinschronik, wie man sie normalerweise sieht“, erklärt Reinhard Büchl. Die Schäffler haben den Historiker Dr. Gerd Treffer beauftragt, ein Buch zu verfassen, das sich nicht nur mit dem Schäfflertanz, sondern auch mit dem Schäffler-Handwerk in Ingolstadt und der Pest befasst. Beinahe sensationell ist die Tatsache, dass in dem Buch die Namen aller Mitglieder der Schäfflergilde seit ihrer Gründung und sämtliche Mannschaftsfotos zu finden sind. Archivarin Martina Pohl hat die Geschichte der Schäffler-Zunft in Ingolstadt nach den Urkunden im Stadtarchiv und nach Sichtung der umfangreichen Literatur aufgearbeitet. Und auch die Frage, warum nur alle sieben Jahre getanzt wird, ist nun erforscht worden: „Es hat sich herausgestellt, dass fast alle Zünfte ihre Tänze hatten. Deshalb ist bei diesen Tänzen auch immer dargestellt worden, welche speziellen Handwerksgeräte verwendet werden. Eines Tages ist der Landesherr, also der Herzog, draufgekommen, dass die dauernd feiern. Dann wurde reglementiert“, erklärt Dr. Gerd Treffer. Der einzige Tanz, der aus diesem Wechsel der Zunfttänze überlebt hat, ist nun mal der Schäfflertanz.

    Das Buch „Die Ingolstädter Schäffler und ihr Tanz“ (mit zahlreichen Fotografien von Gert Schmidbauer) ist ab Januar erhältlich, wird bei den Tänzen vor Ort verkauft sowie an der Kasse des Stadtmuseums und ist im Buchhandel bestellbar. Bezugsmöglichkeiten werden auch auf der Webseite der Schäffler unter www.schaefflertanz-in.de veröffentlicht. Und schon jetzt darf man sich an den Ohrwurm gewöhnen, der wieder hundertfach erklingen wird und zum Schäfflertanz dazu gehört: Aber heint is koit, aber heint is koit… (ma)

    Musik und Minischäffler

    Sie sind eine Besonderheit, wenn man auf die unterschiedlichen Schäfflergilden in der Region blickt: In Ingolstadt begleiten stets junge Buben die “großen Schäffler” bei ihren Auftritten. Die Minischäffler Lorenz und Tobias hatten bereits beim Umzug zum Ingolstädter Herbstvolksfest ihren ersten Einsatz. Die Nachwuchsschäffler durften erstmals in ihrer originalgetreuen Uniform den Zug der Gilde anführen und meisterten ihre Aufgabe mit Bravour und viel Begeisterung.

    Foto: Schäfflergilde IN

    Lorenz (8 Jahre) besucht die zweite Klasse und spielt begeistert Tischtennis. „Der Umzug war super, und ich freue mich jedes Mal auf Samstag, wenn Schäfflertraining ist“, erzählt er stolz. Kein Wunder: Sein Vater ist seit 2005 als Fahnenträger aktiv. Für Lorenz war klar: „Ich bin dabei, weil da Papa auch dabei is.“

    Auch Tobias (6) hat die Schäfflerleidenschaft geerbt. Er besucht den Kindergarten, schwimmt gern und spielt Fußball. Seine Bewerbung gab er schon 2021 beim Schäffler-Sommerfest ab. „Einige meiner Freunde sind Kasperl, und mein Kumpel Lorenz ist auch Minischäffler“, erzählt er. Sein Vater tanzt seit 2012 bei der Gilde. Besonders stolz berichtet Tobias vom Herbstfestumzug: „Als Taferbua hat es mir sehr gut gefallen. Ich hab auch schon gelernt, meinen Hut gut festzuhalten – nicht, dass ihn mir jemand runterklaut!“

    Wie bereits in den Jahren 2012 und 2019 werden die Tänzer auch in der kommenden Saison musikalisch von der Blaskapelle Mailing begleitet. Katharina Raucheisen, die Dirigentin der Mailinger, blickt voller Vorfreude auf die kommenden Wochen: „Wir proben die Schäfflerstücke schon seit einiger Zeit. Bei den Auftritten werden uns jeweils 12 bis 15 Musiker unterstützen.“ Zwar gebe es bis zum Start noch Details zu feilen, doch die Basis stimmt: „Der erste gemeinsame Probetag hat gezeigt, dass wir auf einem sehr guten Weg sind“, so Raucheisen.

    v.li. n. re.: Fabian Meder (Blaskapelle Mailing), Thomas Deiser (stellv.
    Vorsitzender Schäfflergilde), Katharina Raucheisen (Dirigentin), Reinhard
    Büchl (Leiter Schäfflergilde) Foto: Schäfflergilde IN

    Auch Reinhard Büchl, der Leiter der Schäfflergilde, zeigte sich begeistert: „Das erste Mal wieder live mit den Mailingern zu trainieren, war ein besonderer Moment. Ich bin sicher, dass bis zum ersten Auftritt vor dem Ingolstädter Rathaus am 10. Januar alles perfekt sitzt.“ (sgi)

    Übrigens: Schon jetzt ist Gilde für die Kampagne 2026 ausgebucht. Die sind auf der Schäfflerhomepage www.schaefflertanz-in.de zu finden.

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