Jedermann 2.0 in Eichstätt

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„Die Dummheit ist der Gipfel aller Sünden…“ ertönt es vor einer spektakulären Felswand. Alle reden sie auf ihn ein, diesen geplagten Jedermann. Die Sünden ebenso wie Glaube, Liebe und Hoffnung. Die Szene spielt nun aber nicht in Salzburg, sondern in Eichstätt. Der „Jedermann 2.0“ stammt aus der Feder von Florian „Flöps“ Schmidt und ist eine erfrischend entstaubte, komplett neu getextete Version des Mysterienspiels von Hugo von Hofmannsthal, das bei den Salzburger Festspielen alljährlich mit Pomp und Promis in Szene gesetzt wird.

„Da muss ich jetzt ehrlich sein und mich ganz weit aus dem Fenster lehnen. Die Hofmannsthalsche Version hat jede dritte, vierte Zeile als Füllzeile, damit es sich reimt. Das finde ich schwach und einfach nicht mehr zeitgemäß,“ erklärt Florian Schmidt. Er hatte 2018 im Auftrag des Neuburger Volkstheaters ein Stück unter dem Titel „Jedermann auf Bayrisch“ als bayerische Variante veröffentlicht, aber es existiert auch eine hochdeutsche Version. Dialekt und Hochdeutsch treffen nun in der neuen Eichstätter Open Air Inszenierung „Jedermann 2.0“ aufeinander – je nachdem, wer welche Rolle spielt: „Es gibt Leute, die spielen im Dialekt, was ich gut finde, weil der Dialekt emotionaler sein kann. Wir haben aber auch Leute aus Wuppertal und Düsseldorf dabei und die spielen hochdeutsch. Ich werd da einen Teufel tun und verlangen, dass die bayerisch reden.“

Die Jedermann-Truppe um Florian Schmidt (sitzend, 2.v.r) vor der natürlichen Felsenkulisse der neuen Open-Air Bühne auf dem Gelände der ehemaligen Diskothek “dasda” in eichstätt.

Für seine Neuinterpretation des Jedermann hat Florian Schmidt auch einige Rollen neu definiert. So kann dieser Jedermann, der kein superreicher Lebemann ist, wirklich jedermann sein – mit allen Höhen und Tiefen. „Ich werde vor allem in ersten Akt wirklich durch alle Emotionen einmal durch geschmissen,“ erklärt Jedermann-Darsteller Lennard Schmidtmeyer, der auch die ein oder andere Liebesszene meistern muss. Die Buhlschaft ist – im Gegensatz zur Salzburger Version – in Eichstätt eine Buhle: „Sie ist die Verlobte, seine Liebe und nicht die Geliebte. Es ist also schon ausgemacht“, so Florian Schmidt. Diese Rolle teilen sich Marion Heckl und Jessica Klein, wobei jede ihre eigene Interpretation bewusst mit einbringt. „Das finde ich unglaublich interessant. Und es funktioniert.“ Auch das Bäsle (eine Figur, die bei Hofmannsthal nicht vorkommt) ist doppelt besetzt. Mit Rene Schmager steht als Mammon und Geselle ein Schauspieler auf der Bühne, der bereits in Neuburg im Einsatz war: „Der Geselle ist jemand, der dem Jedermann vielleicht gar nicht so gut tut.“ Vom berechnenden Begleiter scheint der Weg zum personifizierten, ja fast teuflischen Reichtum nicht so weit zu sein.

Um Schauspielerinnen und Schauspieler für sein Projekt zu rekrutieren, startete der Eichstätter Theatermacher Florian Schmidt einen Aufruf in der Zeitung. „In der Pandemie hat es meine alte Schauspieltruppe pulverisiert“, so Schmidt. Nun sind es neue Gesichter – darunter Hauptdarsteller Lennard Schmidtmeyer – und bekannte Darstellerinnen und Darsteller, die die eigens gebaute Freilichtbühne auf dem Parkplatz der ehemaligen Diskothek „dasda“ mit Leben und vor allem Emotionen erfüllen. Bühnentechnikmeisterin Susann Ostler sorgt dazu für stimmungsvolle Lichteffekte, wenn das Tageslicht schwindet. So ist alles bereit für diese frische Jedermann-Inszenierung – ganz nach dem Motto: „Alles kann sein, alles ist offen. Es bliebt nix über, als zu hoffen“…auf zahlreiche, traumhaft schöne Theaterabende. (ma)

Die Aufführungen starten am 9. Juli. Alle Termine und Tickets gibt es unter www.hofmuehlbuehne.de.

Kurz notiert:
Jedermann 2.0  
Hofmühlbühne Eichstätt
Mondscheinweg 9
85072 Eichstätt
www.hofmuehlbuehne.de
instagram.com/hofmuehlbuehne/

Parkplätze direkt vor Ort, bei schlechtem Wetter wird in die Hofmühlbühne ausgewichen.

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