»Von den Fürstbischöfen bis Elvis – mit Weltneuaufführung« ist auf den Plakaten zu lesen. Ein Untertitel, der Lust macht, entdeckt zu werden. Nach den großen Erfolgen der Serenaden im Wirtshaus Gutmann letzten Jahres und im Gasthaus Stark in Wolkertshofen, steht das erste Konzert der Hofkapelle Eichstätt unter dem Titel »Barock’n’Roll«. Konzertiert wird am 20. September im Spiegelsaal der Residenz Eichstätt und am 21. September im Haus des Gastes Beilngries mit der Eichstätter Solistin Fiona Zimmermann. Landrat Alexander Anetsberger hat die Schirmherrschaft für die Konzerte der Hofkapelle Eichstätt übernommen.
Die historische Eichstätter Hofkapelle bestand bis ins Jahr 1802 und hinterließ einen reichen Fundus an musikalischen Werken, die größtenteils durch den Musikwissenschaftler Raymund Schlecht gesammelt und mittlerweile allesamt digitalisiert wurden. Die oft schwer zu entziffernden Handschriften sind ein musikalischer Heuhaufen von über 1600 Werken. Doch wie findet man dort die goldene Nadel? Wie klingen die Stücke? Und sind überhaupt gute Kompositionen darunter? In akribischer Detektivarbeit hat sich der künstlerische Leiter Lukas Hanauska durch die Werke gearbeitet und tatsächlich einen musikalischen Goldschatz gefunden, der seit über 222 Jahren nicht mehr gespielt wurde. Diese Weltneuaufführung ist Joseph Mecks »Concerti a cinque Stromenti n° 8«. Das dreisätzige Werk (Allegro – Adagio – Allegro) des Geigenvirtuosen Joseph Meck ist für eine Solovioline und vier weitere Instrumente geschrieben worden und erinnert mit seinen schnellen Sequenzen und spritzigen Girlanden stark an Vivaldis Violinkonzerte.
Einen ersten Höhepunkt bildet in der ersten Konzerthälfte Eichstätts bekannteste Sinfonie, die Sinfonie A-dur von Anton Fils. Haben Sie noch nie gehört? Möglicherweise doch. Denn das Hauptthema der Sinfonie bildet die Titelmelodie der BR-Sendung »Unser Land«. Fils’ Werk ist ein Paradebeispiel der sogenannten »Mannheimer Schule«, das mit schnellen Crescendi und Laut-Leise-Wechseln auf engstem Raum aufwartet.
Von Eichstätt geht die Reise quer durch die Republik. Der Bremer Komponist und Arrangeur Keno Hankel hat eigens für dieses Konzert und die Besetzung der Hofkapelle Eichstätt Musik des King of Rock’n’Roll Elvis Presley in ein neues klangliches Gewand gehüllt. Was genau von Elvis Presley zu hören sein wird, bleibt bis zum Konzerttag ein Geheimnis.
Im Zentrum des Konzerts steht die Eichstätter Flötistin Fiona Zimmermann, die erstmals mit der Hofkapelle Eichstätt auftritt. Mit Georg Philipp Telemanns »Suite a-Moll TWV 55:a2« und John Rutters »Suite Antique« stehen sich zwei sehr unterschiedliche Solokonzerte für Flöte gegenüber. Die in a-Moll stehende Suite von Georg Philipp Telemann kreiert eine Tiefgründigkeit, in die man beim Zuhören geradezu versinkt. Die Soloflöte verschmilzt mit Streichern und Cembalo und verströmt auf diese Weise eine innige und friedvolle Ruhe. Die überaus fröhliche »Suite Antique« wirkt als Kontrast zum Telemann wie lauer entspannter Sommerabend. Das Werk vereint Rhythmen, die an den Jazzklassiker „Take Five“ erinnern, mit einer Arie im barocken Stil, die auch J. S. Bach geschrieben haben könnte – nur in etwas moderner – und bildet somit den perfekten Abschluss für den Konzertabend.
An dieser Stelle soll die Solistin Fiona Zimmermann selbst zu Wort kommen:
Rutters »Suite Antique« ist eigentlich für Querflöte geschrieben worden. Fiona, was macht für dich den Reiz aus, das Werk stattdessen mit Blockflöte zu spielen?
Fiona Zimmermann: In der Barockzeit war es üblich, dass Stücke von verschiedenen Instrumenten gespielt wurden. Ich finde es immer sehr reizvoll, Literatur zu adaptieren und zu sehen, wie sich dadurch etwas Anderes oder Neues entwickelt. Als Kontrast passt Telemanns Suite a-Moll sehr gut dazu, da es unglaublich tolle Musik ist, die viele schillernde Farben in sich trägt.
Du hast erfolgreich dein Studium an der Hochschule für Musik in Nürnberg abgeschlossen. Was hat dich dazu gebracht Blockflöte zu studieren?
Ich war bereits Jungstudentin an einer Hochschule und wollte unbedingt mehr Zeit in mein Instrument investieren. Nachdem ich bei mehreren Musikhochschulen die Aufnahmeprüfung gemacht hatte, ist daraus ein Studienplatz geworden. Kurz gesagt: Die Freude und das Bedürfnis, mich intensiv mit Musik zu befassen, haben mich zum Studium geführt.
Warum hast du dich überhaupt für die Musik entschieden?
Musik ist für mich wie eine Sprache, sie schafft Raum für kreativen Ausdruck, neue Ideen und Gemeinschaft.
Tickets erhalten Sie über die Homepage der Hofkapelle Eichstätt www.hofkapelle-eichstaett.de, über Ticket Regional www.ticket-regional.de unter dem Suchbegriff „Hofkapelle Eichstätt“ oder an der Abendkasse. (hk)
Konzertprogramm:
Joseph Meck: Concerti a cinque Stromenti n° 8
Anton Fils: Sinfonie A-Dur
Keno Hankel: Elvis Presley – King of Rock’n’Roll
Georg Philipp Telemann: Suite a-Moll TWV 55:a2
John Rutter: Suite Antique
Flöte: Fiona Zimmermann
20. September 2026 – 18:00 Uhr
Spiegelsaal, Residenz Eichstätt
21. September 2026 – 20:00 Uhr
Festsaal, Haus des Gastes, Beilngries
Tickets: https://www.ticket-regional.de/events.php?mysearchEventtype=Hofkapelle%20Eichst%E4tt%20e.V.
