Beim Wandern steht der Naturgenuss im Vordergrund. Das Entschleunigen. Die körperliche Betätigung. Neben herrlichen Hängen, traumhaften Wäldern und Wiesen und beeindruckenden Felsen kann man in der Region aber auch Orte erwandern, die einen gewissen „Mystery-Faktor“ vorweisen. Der kann eine natürliche, oft aber auch eine menschliche Ursache haben. Wir hätten da fünf wunderliche Wandertipps für Sie ausgesucht.
Eine Burg, die nur so heißt: Die Wodansburg in Beilgries
Wer in Beilngries (Landkreis Eichstätt) über den neuen und alten Kanal dem Wanderweg Nr. 6 folgt, der kann nicht nur viel Wissenswertes über Wasseradern lernen. Am höchsten Punkt des Rundwegs auf dem Kevenhüller Berg erwartet einen ein kurioser Anblick: da steht eine steile Pyramide mitten im Wald! Darauf ist Folgendes zu lesen: „Auf diesem Bergvorsprung befand sich eine altgermanische Opfer- und Wallstätte. Wodansburg, später Judenburg genannt. Aus den Ueberresten errichtete dieses Denkmal der Verschönerungsverein Beilngries Im Jahre des Heils 1901.“ Klingt spektakulär, ist wissenschaftlich aber nicht haltbar. Von Germanen oder einer Burg fehlt jede Spur. Aber die Aussicht von hier oben ist grandios und einen Besuch wert!
Kurzinfo: Wanderweg Nr. 6 (Wünschelrutenweg), Startpunkt: Maria-Hilf-Kapelle Beilngries
Ein gar nicht geheimes „Geheimlabor“ im Unterhauser Forst
Der Rundwanderweg „Floramoos“ beginnt an der Kreisstraße ND 26 zwischen Oberhausen und Sinning (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen) beim Parkplatz an der Roten Säule. Er führt nicht nur zu dem kleinen Niedermoor namens Floramoos, sondern auch zu einem wuchtigen Betonbau, der mitten im Wald einen unheimlichen „lost place“ abgibt. Im Volksmund wird der Bau „Geheimlabor“ genannt. Das Gebäude war Teil der „Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt, Abteilung Kraftstoffprüfung“ der Nationalsozialisten und man wollte hier an synthetischem Flugbenzin forschen. Das Labor wurde nie fertig gebaut. Der Weg führt außerdem am Buchenberg-Lager vorbei, einem riesigen unterirdischen Tanklager, das 1945 bei einem Bombenangriff zerstört wurde. Die Bombenkrater kann man heute noch erkennen.
Kurzinfo: Rundwanderweg Floramoos, Startpunkt: Parkplatz an der Roten Säule beginnt an der Kreisstraße ND 26 zwischen Oberhausen und Sinning
Ein Schneckenhaus Gottes an der Schambach

Der Wanderparkplatz in Suffersheim im Schambachtal (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen) ist der ideale Ausgangsort, um sich auf die Spuren der heiligen Gunthildis zu begeben. Heute kaum bekannt, erfreute sich die Heilige im Mittelalter großer Beliebtheit und es kamen zahlreiche Wallfahrer zu der ihr geweihten Kapelle bei Suffersheim. Von dem Bau sind heute nur noch Mauerreste zu sehen. Gleich daneben aber steht das neue, außergewöhnliche „Schneckenaus Gottes“, eine ökumenische Kapelle im Stil eines Ammoniten, die 1995 eingeweiht wurde und in der Hochzeiten und Taufen stattfinden. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch das „Gunthildisbrünnlein“, aus dem Quellwasser entspringt, das – der Legende nach – heilsame Wirkung für kranke Menschen und eine milchbildungsanregende Wirkung auf Kühe hat.
Kurzinfo: Startpunkt für eine kurze Tour ist der Wanderparkplatz in Suffersheim, der Rundweg “Gunthildisweg“ ist 17 Kilometer lang (Startpunkt: Wanderparkplatz Ludwigshöhe Weißenburg)
Ein Grab mit herrlicher Aussicht in Rottenegg
Zugegeben. Wenn man tot ist, nützt einem die wunderbare Aussicht nichts. Aber alle, die hierher kommen, dürften begeistert sein: Auf dem Burgberg über dem Geisenfelder Ortsteil Rottenegg (Landkreis Pfaffenhofen) befindet sich vor der Wallfahrtskirche Hl. Kreuz das Grab von Henry Lambert aus Dijon, Brigadegeneral in der französischen Rhein-Mosel-Armee. Er soll sich diesen Ort als den Ort seiner letzten Ruhe gewünscht haben, falls er im Gefecht sterben würde. Dummerweise ist genau das wenige Tage nach dieser Wunschäußerung am 7. September 1796 auch passiert. Bis heute wird die letzte Ruhestätte Lamberts auf dem Burgberg (der so heißt, weil hier bis Anfang des 18. Jahrhunderts eine Burg stand) instandgehalten und gepflegt.
Kurzinfo: Der Ort liegt nicht an einem eigens ausgeschilderten Wanderweg, wer aber die Wallfahrtskirche Hl. Kreuz in Rottenegg (85290 Geisenfeld) ansteuert, findet automatisch dorthin.
Ein Felsen mit Durchblick in Wellheim
Immer einen Aufstieg oder Abstecher (z.B. von der Schlaufe 11 des Altmühltal Panoramawegs) wert ist die Burgruine in Wellheim (Landkreis Eichstätt). Für den Autoverkehr erschlossen wurde das steile Gelände Anfang der 1920er Jahre. Beim Bau der Straße auf den Schloßberg ist der Fels unterhalb der Burg für einen Tunnel durchbohrt worden und dahinter fand man einen Felsen aus Riffdolomit, der einen natürlichen Durchbruch vorweist. Hier schlängelte sich einst die Ur-Donau entlang. Heute kann man durch das „Tor“, das als geowissenschaftlich bedeutend eingestuft ist, auf Wellheim blicken. Zudem hat der Ort eine besondere Ausstrahlungskraft, von der eine Marienstatue (Maria im Felsentor) zeigt. Wichtig: Der Weg führt auf der Straße durch den Tunnel. Hier teilt man sich die Strecke mit Autofahrern, Motorrad- und Radfahrern. Also Vorsicht!
Kurzinfo: Der Wanderweg 2 des Wanderwegenetzes Wellheim führt zur Burgruine, Startpunkt: ehem. Bahnhof Wellheim. Direkt unterhalb der Burg gibt es einen Parkplatz am Tunnel.
