Ein halbes Jahrhundert Jura-Museum

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Sie hat extra nachgezählt. Die wissenschaftliche Leiterin des Eichstätter Jura-Museums, Dr. Christina Ifrim, hat alle Jahresberichte gewälzt, um zum 50-jährigen Bestehen des Museums eine beeindruckende Statistik vorlegen zu können: Über 3,4 Millionen Besucherinnen und Besucher haben sich die Fossilien, Aquarien und nicht zuletzt den Superstar Archaeopteryx seit der Eröffnung 1976 angesehen.

Die Anziehungskraft der Jurazeit spürte auch der bayerische Wissenschaftsminister Markus Blume beim offiziellen Geburtstags-Festakt inklusive Staatsempfang auf der Burg: „Es war tatsächlich mein erstes Mal in diesem Museum. Es ist begeisternd, wie Urzeitgeschichte hier nahegebracht wird. Dieses Fenster in die Vergangenheit auf so spektakuläre Weise geöffnet zu bekommen, ist schon ein besonderes Gefühl“, schwärmte er. Ganz „unbedarft“ in Sachen Fossilien ist er dabei nicht, denn er selbst hat mit seinen Kindern schon im nahe gelegenen Besuchersteinbruch auf dem Blumenberg nach Fossilien gesucht.

Einen Juravenator hat er dabei nicht gefunden – im Gegensatz zu den Brüdern Weiß, die das einzigartige Fossil in Schamhaupten entdeckt hatten. Seit 2006 ist der kleine Raubsaurier der zweite Star der Ausstellung und inzwischen fast so berühmt wie der Urvogel. Einzigartig macht das Museum die Kombination aus Fossilien und lebenden Meeresbewohnern: Bayerns größtes und artenreichstes Korallenriff ist das älteste in einem Aquarium überhaupt und es soll Menschen geben, die nur wegen dieser tropischen Unterwasserwelt regelmäßig im Museum vorbeischauen.

Das Jura-Museum, das sich seit 2020 unter der Trägerschaft der Stiftung Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt steht, ist nicht nur ein Ort der Information, sondern auch eine Forschungseinrichtung. Gerade dieses Profil soll künftig gestärkt werden. 155 internationale Forschungsarbeiten haben sich allein mit dem Archaeopteryx beschäftigt. „Mit den 100 000 Sammlungsobjekten, die hier vorhanden sind, kann die moderne Wissenschaft noch viel mehr,“ betonte Prof. Dr. Jörg Overmann, Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns, zu denen auch das Jura-Museum gehört.

Als Priester auch Naturwissenschaftler waren

Die Naturwissenschaften waren fester Bestandteil der Priesterausbildung am Bischöflichen Seminar in Eichstätt. Dazu war Anschauungsmaterial aus der Zoologie, der Botanik, Mineralogie, Physik und Chemie gesammelt worden und nicht zuletzt bestand diese Sammlung aus tausenden Fossilien, darunter die weltweit größte Sammlung von Fossilien aus den Solnhofener Plattenkalken. „Als die naturwissenschaftlichen Vorlesungen für die Theologen wegfielen, fragte man sich, was man damit machen sollte,“ erinnert sich Dr. Günther Viohl, Gründer (zusammen mit Franz-Xaver Mayr), Planer und langjähriger Leiter des Jura-Museums. So schlossen der Freistaat und das Bischöfliche Seminar einen Vertrag über die Errichtung eines Museums. 1973 hatte sich dazu bereits ein Freundeskreis, der bis heute sehr lebendig ist, gegründet. Aber wo sollte das Museum hin? Erste Option war die Eichstätter Sommerresidenz. Doch da war die neue Katholische Universität schneller. Der Künstler Alois Wünsche-Mitteregger brachte schließlich die Burg ins Gespräch: „Die Burg war damals eine Ruine. Man konnte in den Himmel schauen!“ Kein geringerer als Diözesanbaumeister Karljosef Schattner machte aus der Ruine ein Museum, dessen Architektur und Inneneinrichtung inzwischen auch denkmalgeschützt ist.

Am 17. September 1976 ist das Museum schließlich eröffnet worden. Wenige Monate später zogen dort auch die Knochenhechte in eines der Aquarien ein. Zwei dieser lebenden Anschauungsobjekte sind heute noch zu sehen! Ein Museum, das sich mit Millionen von Jahren der Erdgeschichte befasst, steht offenbar für Langlebigkeit. (ma)

Kurz notiert:
Jura-Museum
Willibaldsburg
Burgstraße 19
85072 Eichstätt
info@jura-museum.de
Tel.: 08421/602980
www.jura-museum.de

Freunde des Jura-Museums e.V.
foerderverein-juramuseum.de

Hinweis zur Barrierefreiheit:
Zwei Behindertenparkplätze direkt im Burghof

Bus/Bahn:
Haltestelle Eichstätt Stadt (danach ca. 20 Minuten Fußweg)
(Rufbus+ R205 hält an der Haltestelle „Elias-Holl-Straße 1“)

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