Starke Stimmen fürs Stadttheater

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    „Das Stadttheater ist mehr als nur Unterhaltung!“ betonte Lisa Maria Schacher, Stadtdramaturgin am Ingolstädter Stadttheater gleich zu Beginn einer besonderen Gesprächsrunde. Unter dem Motto „Stimmen für das Theater“ stellten Menschen, die das Stadttheater Ingolstadt nutzen, prägen und mitgestalten, ihre Arbeit vor. Und dabei wurde auch klar, wie das Theater in die Stadtgesellschaft hineinwirkt – von der Kita bis in die türkische Community.

    Geschützter Raum für den Austausch

    Seit zehn Jahren gibt es beispielsweise das Café International im Werkstattfoyer. Es ist eine Begegnungsstätte für Einheimische, Zugezogene, Menschen mit Migrationshintergrund und Geflüchtete und vom Stadttheater in Zusammenarbeit mit dem Jugendmigrationsdienst, dem Amt für Soziales der Stadt Ingolstadt und der „Cantina International“ betrieben. Was zunächst eher als „Lerncafé“ begonnen hat, ist inzwischen ein Treffpunkt, der – zweimal die Woche – dem kulturellen Austausch dient. „Es kann jeder kommen, der mag“, betonte Barbara Blumenwitz. Was alle Teilnehmenden (im Schnitt sind es 40 Personen) eint, ist der Wunsch des Kennenlernens. Und so ist hier der THI-Student aus Indien genauso zu finden wie die neu zugezogene Brasilianerin oder der Austausch-Lehrer aus Großbritannien. „Wichtig ist der geschützte Raum ohne Konsumzwang,“ erklärte Barbara Blumenwitz, Integrationslotsin im Amt für Soziales, Sachgebiet Flucht und Integration und Gründungsmitglied des Café International. Sie dankte dem Stadttheater, dass es einen Minijob für das Café International ermöglicht und meinte mit Blick auf die Zukunft: „Wir fürchten uns vor dem Tag, an dem das Theater nicht mehr Kooperationspartner sein könnte.“ Nach der Schließung des Hämer-Buro-Baus, in dem auch Werkstattbühne (Junges Theater) und Werkstattfoyer untergebracht sind, ist die Standortfrage für das Café International noch offen: „Nehmt uns mit, egal wohin ihr geht!“ bat Blumenwitz.

    Mitglieder des Café International traten beim Festakt zu “60 Jahre Hämer-Bau” im Festsaal des Stadttheaters auf. Foto: www.germainenassal.com

    Willkommensort für die türkische Community

    Vor 20 Jahren hat Selver Bulut (1. Vorsitzende des türkischen Kultur- und Bildungsvereins Ingolstadt Mozaik) im Stadttheater geheiratet: „Ich wollte unbedingt im Brautkleid die große Treppe runter gehen!“ Der Festsaal sei ein toller Ort für eine Heirat, schwärmte sie. Ihr Kulturverein war von der Stadtdramaturgie angefragt worden, ob man bei den Critical Friends mitmachen möchte: „Das war für uns eine Wertschätzung, dass unsere Meinung gefragt ist. Und wir beschlossen sofort, mitzumachen.“ Als einen Willkommengruß des Theaters für die türkische Community empfand Selver Bulut die Stadttheater-Produktion „Istanbul“, die im Februar wieder aufgenommen wird und auf die Kooperation des Mozaik-Vereins mit dem Theater beim Projekt Cultural Bites im November im Stadtteiltreff Pius habe sie ein sehr positives Feedback bekommen. Sie lobte das Theater als zentralen Ort: „Und durch die Zusammenarbeit trauen sich auch mehr Menschen ins Theater.“

    Außerschulischer Lernort

    „Wir profitieren sehr davon!“ Damit meinte Bärbel Kößler-Finkenzeller, Direktorin des Ingolstädter Reuchlin-Gymnasiums, die Zusammenarbeit mit dem Stadttheater und hier speziell dem Jungen Theater. Nicht nur, das der Theaterbesuch für alle Schüler (einmal im Jahr) fest im Lehrplan verankert ist – auch Theaterklassen und Gruppen tauschen sich mit den Profis des Jungen Theaters aus, Theaterpädagogen besuchen die Schule, es finden regelmäßig Gespräche mit Schauspielern und Schauspielerinnen statt und auch zum Lehrplan findet eine Abstimmung mit dem Jungen Theater statt. Bärbel Kößler-Finkenzeller lobte das Theater als außerschulischen Lernort und bezeichnete das jährliche Schultheaterfestival als etwas sehr Wertvolles für ihre Schülerinnen und Schüler. „Es ist eine Katastrophe, dass es noch keine Interimsspielstätte für das Junge Theater gibt,“ beklagte sie.

    „Ich zünde eure Bühne an und ihr kümmert euch um meine Kinder!“

    Gar keine Berührungspunkte mit dem Theater hatte Florian Walter bis er vor rund 16 Jahren beim Projekt Boomtown Raps mitwirkte. Diese (Bühnen)Erfahrung möchte der Jugendsozialarbeiter beim Stadtjugendring inzwischen den Jugendlichen vermitteln – etwa beim Rap-Treff oder Rap-Contests in der Jugendkulturbox Spot: „Die jungen Leute wollen wahrgenommen werden. Und ich will, dass sie aus ihrer Komfortzone rauskommen.“ Stadtdramaturgin Lisa Schacher war im vergangenen Jahr für den theatralen Stadtspaziergang „Lücke zum Glück“ auf ihn zugekommen, um junge Ingolstädterinnen und Ingolstädter aus der Rap-Szene für das Projekt zu gewinnen – mit Erfolg. Einige Jugendliche sind nun sogar für die Produktion „Verrücktes Blut“ erneut im Einsatz. „Jede Produktion ist ein Abenteuer,“ zeigte sich Florian Walter begeistert und meinte: „Ich zünde eure Bühne an und ihr kümmert euch um meine Kinder!“ Mit dem Rap/Act, einem Format, bei dem HipHop Acts gegen Ensemblemitglieder des Stadttheaters antreten, wurde außerdem ein neues Format geschaffen, das aus der Sicht von Florian Walter ideal ist, „um Vorurteile abzubauen.“

    Kritische Freunde gern gesehen

    Für die Critical Friends, also die kritischen Freunde des Stadttheaters, sprach deren Gründungsmitglied Christina Seeger. Sie lebt seit 35 Jahren in Ingolstadt, hatte bislang das Stadttheater kaum wahrgenommen, war aber von dieser neuen Möglichkeit, das Theater in beratender Funktion zu begleiten und auch zu beleben, sofort begeistert: „Ich bringe mich gerne ein!“ Diese kritischen Freunde werden u.a. zu den Hauptproben eingeladen und aufgefordert, ihre Meinung zu den jeweiligen Inszenierungen zu äußern. Außerdem haben sie eine eigene Umfrage gestartet, um herausfinden, was sich Menschen vom Theater wünschen oder welche Erfahrungen oder Hemmnisse sie bisher von einem Theaterbesuch abhalten. Ganz neu ist die Aktion „Solo war gestern“. Sie ermöglicht Menschen, die nicht alleine ins Theater gehen möchten, künftig begleitete Theaterbesuche.

    Die Kleinsten als die größten Fans

    Dass gerade die Allerjüngsten die größte Begeisterung für das Theater aufbringen können, bewies Michaela Unterforsthuber, erfahrene Pädagogin und seit über 30 Jahren in verschiedenen Kitas im Einsatz. Wenn das Theater in die Kita kommt, dann ist das immer ein Highlight: „Ich habe gemerkt, wie begeistert gerade Kinder mit Migrationshintergrund sind,“ berichtete sie. „Es geht einem einfach das Herz auf, wenn man sieht, wie man mit Theater die Allerkleinsten abholt.“ Sie berichtete auch vom Theaterbesuch als Gemeinschaftserlebnis. Da werde schon die Planung der Busfahrt ins Stadttheater zum großen Ereignis und sogar „die krassesten Checker geben tolles Feedback.“ Dabei sei es für die Kinder wichtig, das Gebäude als positiv besetzen Ort zu erleben: „Ich finde das jetzige Angebot des Jungen Theaters schon zu kleine“, meinte Michaela Unterforsthuber, „Ich wünsche mir weiter feste Spielstätten, wo alle Kinder hingehen können.“ (ma)

    Beim Festakt “60 Jahre Hämer-Bau” konnten die Gäste (noch) einen Blick auf und hinter die Bühne des Großen Hauses werfen. Ab Herbst 2026 ist hier Schluss. Foto: www.germainenassal.com

    Ausblick auf die Bau-Zukunft:
    Ab Herbst 2026 wird das Große Haus nicht mehr bespielt, da es wegen der ausstehenden Sanierung seine Zulassung als Versammlungsstätte für Publikum verliert. Der Theaterbetrieb zieht ins Theater am Glacis als Interimsspielstätte. Zum Jahresende 2027 schließt der Hämer-Buro-Bau endgültig mit dem Auszug des Festsaals.

    Über das Junge Theater:
    Das Junge Theater erreicht jährlich über 35.000 Besucherinnen und Besucher bei rund 250 Vorstellungen, darunter 170 Schulvorstellungen. Rund 15.000 Kinder, Jugendliche und Pädagoginnen und Pädagogen nehmen zusätzlich an theaterpädagogischen Angeboten teil, insgesamt profitieren so über 50.000 Menschen vom vielfältigen Programm. Der Abendspielplan zieht bei 270 Vorstellungen rund 80.000 Besucherinnen und Besucher an.

    Informationen zu den Mitmach-Projekten, Angeboten der Stadtdramaturgie, dem Jungen Theater und mehr finden Sie auf der Webseite des Stadttheaters unter theater.ingolstadt.de
    Social media:
    https://www.facebook.com/StadttheaterIN
    https://www.instagram.com/stadttheateringolstadt/

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