Dieses Zeichen war deutlich. Eines Tages ist eine Mitarbeiterin im Werkstattgebäude des Bayerischen Armeemuseums in den Boden eingebrochen. „Daraufhin hat man befunden, dass die Statik bedenklich ist. Wir müssen da raus“, erinnert sich Museumsleiter Dr. Ansgar Reiß. Das war 2018. Nun sind sie wieder eingezogen – in den komplett sanierten Kavaliersbau des Neuen Schlosses. Dieser Neubeginn in alten Mauern ist mit einer offiziellen Gebäudeübergabe (Eigentümer ist der Freistaat Bayern) an den Nutzer (das Bayerische Armeemuseum) gefeiert worden.

Kernstück der knapp zweijährigen Baumaßnahme waren umfangreiche Arbeiten an den Holzbalkendecken, Gewölbesicherung und Dachstuhlinstandsetzung. Desolate Bauteile wurden erneuert und Verbesserung hinsichtlich des Energiebedarfs erreicht. Der Brandschutz wurde auf den neuesten Stand gebracht und die gesamte technische Installation, die zum größten Teil aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts stammte, wurde erneuert. Die Treppenanlage vor dem Gebäude, die stark abschüssig war, wurde neu aufgeteilt und hergestellt, um eine Verbesserung der Verkehrssicherheit zu erreichen. Darunterliegende Abwasserleitungen wurden saniert und erneuert. „Es sind mit dieser Sanierung Räume geschaffen worden, die ein lebendiges Museum benötigt“, betonte Ansgar Reiß in seiner Ansprache.
Erfreulich: der Zeitplan für die Sanierung wurde eingehalten und der Kostenrahmen von 7,9 Millionen Euro ist sogar unterschritten worden! Staatliches Bauamt, das Bayerische Landesamt für Denkmalschutz und das Museum stimmten sich ab und bewiesen bestes Teamwork. In einer ersten, internen Einladung hieß es daher laut Reiß auch: „Viele jammern über den staatlichen Bau. Ich und wir sind von der Zusammenarbeit begeistert. Und noch mehr Leute jammern über den Denkmalschutz. Wir sind froh über das Knowhow und die immer konstruktive Zusammenarbeit.“

Bereits vor 30 Jahren war eine Sanierung ins Auge gefasst worden – damals scheiterte sie an den unterschiedlichen Interessen der Beteiligten: „Ich fand es interessant im Nachgang feststellen zu können, dass der Geist mittlerweile ein anderer ist. Jeder muss etwas geben, keiner kann seine Maximalforderung durchsetzen, jeder bringt die Bereitschaft mit, für das Projekt Kompromisse einzugehen“, erklärte Arno Zobel, Baudirektor am Staatlichen Hochbauamt Ingolstadt.

In den sanierten Räumen sind nun wieder hochspezialisierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Museums eingezogen, die sich hier zum Beispiel um historische Waffen, Rüstungen, Uniformen oder auch Schriftstücke kümmern. So befasst sich Roland Hopp, der seit 30 Jahren Metall Restaurator am Museum ist, gerade mit einem persischen Maskenhelm. Ob dieser wie vermutet aus der Zeit um 1700/1750 stammt, muss die genaue Untersuchung nun ergeben. „Das ist ein Stück, das wir durch eine glückliche Fügung vergangenes Jahr geschenkt bekommen haben,“ erläuterte Museumsmitarbeiterin und Dr. Priscilla Pfannmüller. „Es sah zunächst aus wie ein Haufen Blech.” Hopps Aufgabe ist es nun, die Korrosion zu beseitigen und die feinen Linienmuster auf dem Helm wieder herauszuarbeiten.

Wie das genau funktioniert, das kann jeder Interessierte am 27. Juni selbst erkunden. Beim Tag der offenen Werkstätten gibt es Einblicke in das neue Gebäude und die Werkstätten. Von 10 bis 16 Uhr kann man mit den Profis ins Gespräch kommen und ihnen bei der Arbeit bei der Arbeit über die Schulter schauen, auch Führungen stehen auf dem Programm. Und wenn´s immer wieder „Rumms“ macht, dann kommt das von den Vorderladern, mit denen zu Demonstrationszwecken geschossen wird. (ms)
Kurz notiert:
Bayerisches Armeemuseum
Neues Schloss
Paradeplatz 4
85049 Ingolstadt
www.armeemuseum.de
Bushaltestellen:
Technische Hochschule
Paradeplatz
Hinweise zur Barrierefreiheit:
Die Räumlichkeiten des Neuen Schlosses sind für gehbehinderte Besucher (z.B. im Rollstuhl) erschlossen. Anfahrt zum behindertengerechten Parkplatz erfolgt über die Roßmühlstraße. Behindertengerechte Parkplätze auch am Paradeplatz. Mehr: https://www.armeemuseum.de/de/besuch/barrierefreiheit.html
