Von der lernbegierigen zur gelehrten Frau

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Bis zum 30. Oktober ist eine neue Sonderausstellung zum Thema „Von der lernbegierigen zur gelehrten Frau“ im Marieluise-Fleißer-Haus in Ingolstadt zu sehen.

Mit der Gründung der Landesuniversität 1472 in Ingolstadt rückt eine Frau als Patronin der artes liberales (Philosophie) in den Vordergrund: Katharina von Alexandrien. Doch von einem geregelten Schulbesuch, dem Genuss höherer Bildung oder gar einem Universitätsstudium konnten Mädchen nur träumen.

Die Wahl der geistlichen Lebensform im Kloster und die soziale Herkunft aus höherem Stand bedingten ein bestimmtes Maß an Bildung.

Die Mithilfe von Frauen in handwerklichen und künstlerischen Betrieben oder in Kaufmannsfamilien erforderte ebenfalls außerordentliche Fähigkeiten, die erlernt werden mussten, meist natürlich im Kreis der eigenen Familie.

Erst mit der Entstehung deutscher Schulen stand dem weiblichen Geschlecht aus den Familien, die das Schulgeld zahlen konnten, die Möglichkeit offen, Schreiben und Lesen zu lernen, aus finanziellen Gründen in eher seltenen Fällen das Rechnen.

Das absolutistische Staatswesen forcierte die allgemeine Schulbildung, um Armut und Betteln der Untertanen, daraus entstehende Sozialfälle oder gar Revolten zu vermeiden.
In Ingolstadt unterrichteten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Ursulinen, seit dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts die Franziskanerinnen des Klosters Gnadenthal die weibliche Jugend.

Bestimmte Berufsgruppen erfuhren aus lebenspraktischen Gründen eine Förderung in Form einer Ausbildung: Hebammen und „Perlen“ für den Haushalt, später ambulante und stationäre Krankenschwestern sowie Erzieherinnen und Lehrerinnen.
Nach der Ansiedlung von Fabriken und durch den Schienenverkehr erwarben Frauen Zubrot als Arbeiterinnen.

Ehe das Abitur für Mädchen hier in den Goldenen Zwanzigern Wirklichkeit wurde, verging noch sehr viel Zeit. Marieluise Fleißer wurde deswegen nach Regensburg geschickt.

Anhand exemplarischer Frauenporträts lässt sich in der Ausstellung nachvollziehen, wie es mit der Bildung bzw. dem Interesse an Bildung stand, wenngleich sich vieles aus archäologischen, schriftlichen oder materiellen Quellen nur kryptisch erschließen lässt und wir zur Bildungslaufbahn kaum etwas oder gar nichts erfahren. Immerhin haben diese Frauen bleibende Spuren hinterlassen, denen man folgen kann. (si)

Stadtmuseum/Marieluise-Fleißer-Haus
Kupferstraße 18
85049 Ingolstadt
Fon: 0841/305-1832
Mail: stadtmuseum@ingolstadt.de

Öffnungszeiten:
Mo geschlossen
Di-Fr 9-12 Uhr
Sa und So 10-16 Uhr

Eintritt:
3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro
Kinder bis 17 Jahre frei

Grafik: Stadtmuseum Ingolstadt

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