Zukunftsweisende Entdeckungsreise im Museum Vohburg

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    Es ist nicht das größte Museum in der Region, aber es setzt Maßstäbe: Das Museum Vohburg verbindet die klassische Ausstellung mit digitalen Angeboten, die es so in der Region (noch) nicht gibt. Wo sonst bekommt der Besucher ein Tablet ausgehändigt, mit dem er oder sie einzelne QR Codes ansteuern kann, um die Geschichte lebendig werden zu lassen? Und wo kann er sich mittels VR-Brille in einem bronzezeitlichen Dorf im wahrsten Sinne umsehen?

    Modernste Digitaltechnik trifft hier auf eine lange Geschichte und noch dazu einen geschichtsträchtigen Ort: Das Pflegerschloss auf dem Burgberg wurde 1721 erbaut, hat eine wechselvolle Geschichte u.a. als Krankenhaus hinter sich, stand seit 1985 leer und diente den Freilichtfestspielen als Umkleide und Requisitenlager. Jetzt aber – längst rundum saniert inkl. barrierefreiem Erdgeschoss und Aufzug – beherbergt es das Museum Vohburg. Am 11. September wird es eröffnet.

    „Es war uns ganz wichtig, dass eine Digitalisierung stattfindet – in der Verbindung mit den Originalen,“ erklärt Kunsthistorikerin Evi Steinberger. Sie hat mit Unterstützung durch den Archäologen Dr. Karl Heinz Rieder das Konzept für das Museum entwickelt. Mit einem Film als „Appetithappen“ startet der Rundgang durch das 1. Obergeschoss des Pflegerschlosses, bevor man sich im ersten Ausstellungsraum den ältesten Exponaten widmet: Spuren finden sich aus der Zeit der Neandertaler und frühe Eiszeitjäger waren hier ebenfalls aktiv. Der „Hingucker“ aber ist das – ergänzte – menschliche Skelett einer Frau aus der Jungsteinzeit. „Teile des Skeletts wurden 1980 bei Menning-Bachberg gefunden. Dr. Rieder, der das ganze Gebiet als Referent vom Landesamt für Denkmalpflege betreut hat, wusste noch von diesen Knochen, die in der anthropologischen Staatsammlung lagen und hat sie bekommen.“ Restauratorin Marianne Heimbucher komplettierte das Skelett, so dass es nun im Museum bestaunt werden kann. Aber eben nicht nur das, denn nun kommt die moderne Technik ins Spiel: Mit dem Tablet kann ein QR Code angesteuert werden, über den nun eine „lebende“ Version der Frau aus Menning erscheint. Dazu kann man sich ausführliche Informationen einblenden lassen – je nachdem wie tief man in die Historie eintauchen möchte. Dieses Konzept wird durch das gesamte Museum durchgezogen. Immer wieder sind QR Codes neben bestimmten Objekten zu finden, die einen nicht nur das Ausstellungsstück erläutern, sondern mit Bildern, Audio-, Videoclips und Animationen einen Eindruck der Zeit vermitteln, in der das historische Artefakt genutzt wurde. „Wir können uns schon als relativ neu und innovativ betrachten,“ meint Lucian Binder-Catana. Der Kommunikationsdesigner und Geschäftsführer der Hyperscreen GmbH ist für alles Digitale im Museum verantwortlich – von der 3D Rekonstruktion bis zum Audiofile. Ganz wichtig dabei: wissenschaftliche Korrektheit. Das hier ist kein Fantasy-Spektakel, sondern echte Geschichte, die auf anschauliche und unterhaltsame Weise vermittelt wird.

    Wo einst Napoleon Platz nahm

    Schmuck aus der Bronzezeit, der keltische Goldschatz von Irsching, Brettspielsteine aus dem Mittelalter, eine – analoge – Rekonstruktion der Vohburger Burg, der „Betläuter“ vom Turm der Andreaskirche und ein nach historischem Vorbild geschneidertes Gewand der Agnes Bernauer sind nur einige der Objekte, die es im neuen Museum zu „erleben“ gibt. An Info-Bildschirmen lässt sich auch die Baugeschichte Vohburgs, das ursprünglich auf einer Insel lag, und die Geschichte der Agnes-Bernauer-Festspiele nachverfolgen. Die berühmte Baderstochter, die in Straubing ein bekanntermaßen tragisches Ende fand, taucht übrigens auch „persönlich“ im Museum auf und diskutiert mit ihrem Schwiegervater.

    Aber da war ja noch eine historische Persönlichkeit, die in Vohburg Spuren hinterlassen hat: Napoleon hat 1809 höchstwahrscheinlich genau in dem Raum (oder im Zimmer nebenan) im Pflegerschloss übernachtet, in dem nun der Stuhl ausgestellt ist, auf dem er einst saß. Dass es dieses Möbelstück noch gibt, grenzt an ein Wunder: „Das ist eine Dauerleihgabe der Familie Fertl, die ihn uns glücklicherweise zur Verfügung gestellt hat.  Den wollten wir natürlich unbedingt, weil es etwas ganz besonderes ist, dass er die Zeiten überdauert hat“, freut sich Evi Steinberger. Neben dem Stuhl befindet sich ein Fenster, das auf den ersten Blick wie alle anderen aussieht. Wenn man ihm aber näher kommt, dann bemerkt man, das hier der exakte Blick nach unten in die Stadt digital rekonstruiert wurde. Und Hoppla: Da sitzt der französische Kaiser und nimmt die Truppenparade ab!

    So ein „Gag“ ist aus wissenschaftlicher Sicht natürlich zu vernachlässigen, aber er prägt sich ein. Und wenn damit ein Stück Vohburger Geschichte ins Bewusstsein der Besucherinnen und Besucher gerückt werden kann, dann hat er sein Ziel erreicht. Und das Museum auch. Dessen Leiterin, die Kunsthistorikerin Regina Straub, freut sich, Teil dieses „Pionierprojekt“ zu sein: „Schwerpunktmäßig komme ich aus der Museumspädagogik und die Vermittlung ist mein Steckenpferd. Da war ich von diesem Konzept sofort Feuer und Flamme. Das ist jetzt wirklich ein Entdecken und Erleben.“ (ma)

    Kurz notiert:

    Museum Vohburg
    Im Pflegerschloss auf dem Burgberg
    Burghof 4
    85088 Vohburg a. d. Donau
    www.museum-vohburg.de

    Am Eröffnungstag ist der Eintritt frei.
    Besuch nur mit stündlicher Zeitfenster-Reservierung, da die Anzahl der iPads begrenzt ist.
    Reservierungsmöglichkeiten:
    Telefon:           08457/935-9646
    E-Mail:             info@museum-vohburg.de
    Online:            Tickets buchen
    Tourismusinfo: Bibliothek Vohburg

    Öffnungszeiten:
    Mi       10:00-13:00 Uhr
    Do-So 10:00-16:00 Uhr (Okt.-März) )
    10:00-17:00 Uhr (April-Sept.)

    Museumsräume (1.OG) sind mit dem Fahrstuhl erreichbar
    barrierefreie Kasse und Behindertentoilette im Erdgeschoss
    Behindertenparkplatz im Burghof

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