Eine Schau! Bierkrug-Deckel im Jura-Bauernhof-Museum

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Heilige und der Heiland, Jäger und der Kini, betrunkene Männer und leicht (oder gar nicht) bekleidete Damen – sie alle befinden sich auf den historischen Bierkrug-Deckeln aus der Sammlung des Eichstätter Zinngießermeisters Wilhelm „Willi“ Eisenhart. Begegnen kann man ihnen nun im Jura-Bauernhof-Museum in Hofstetten, denn hier wurde gerade die Sonderausstellung „222 Jahre Zinngießerei Eisenhart – Porzellanmedaillons auf alten Bierkrug-Deckeln“ eröffnet.

Alexander Anetsberger und Wilhelm “Willi” Eisenhart

Knapp 1000 kunstvoll gestaltete Medaillons (etliche noch samt Zinndeckel und Krug) umfasst die Sammlung von Willi Eisenhart, die so ein eigenes Museum füllen würde. Die schmucke Auswahl, die im Sonderausstellungsraum des Museums zu sehen ist, geht auf eine Schau im Bauerngerätemuseum in Ingolstadt-Hundszell zurück. „Zum 500-jährigen Jubiläum des Reinheitsgebotes 2016 haben wir diese Ausstellung gezeigt und die Infotafeln gestaltet. Dann ist die Ausstellung in mehreren Bier- und Hopfenmuseen auf Reisen gegangen,“ erklärt der ehemalige Leiter des Bauerngerätemuseums, Max Böhm. Nun zum 222-jährigen Bestehen der Zinngießerei Eisenhart machen die Bierkrug-Deckel bis September Station in Hofstetten. Dann übernehmen übrigens Gießkannen das Ruder.

Der Bierkrug ist vermutlich so alt wie das Bier, das nachweislich bereits vor rund 13.000 Jahren gebraut wurde. Damals wie heute war und ist es einfach ärgerlich, wenn etwa eine Fliege oder Mücke in den Gerstensaft plumpst. Ergo: Ein Deckel musste her! Dieser wurde beim Zinngießer hergestellt und schließlich mit Porzellanmedaillons versehen: „Das Personal in den Wirtshäusern war oft des Lesens und Schreibens nicht mächtig, also hat man sich bildlich verewigt,“ erklärte Willi Eisenhart bei der Einführung in die Ausstellung. Vor allem im Biedermeier (1815-1848) waren diese bunt und oftmals kunstvoll bemalten Deckel angesagt: „Um 1810 haben die Studenten – ein sehr zechfreudiges Publikum – in ihren Studentenzirkeln damit angefangen,“ so Eisenhart. Freche Sprüche gehörten hier zum „Look“ des Deckels dazu. Mit den Jahren wurden die Motive vielfältiger: Jagdszenen (auch satirische), Regenten, Wappen, Berufe, der legendäre König Gambrinus (der angeblich das Bierbrauen erfunden hat), das Thema Landwirtschaft, Christusdarstellungen, Glückwünsche, Raufereien und vieles mehr findet sich auf den Medaillons. Der übermäßige Bierkonsum findet sich auch in der Darstellung berauschter Männer – dabei steht der Spruch: Wer niemals einen Rausch gehabt, der ist kein braver Mann, juchhe.  Und gerade im biederen Biedermeier durfte es auch mal frivol werden, etwa mit der Darstellung der Susanne, einer Dame, die auf dem geschlossenen Deckel verhüllt in der Badewanne und im geöffneten Deckel nackt aus der Wanne steigend zu sehen ist.

In der Ausstellung werden auch die Techniken erläutert, die beim Verzieren der  Porzellanmedaillons eingesetzt wurden. Besonders wichtig waren dabei die sogenannten „„Muffelfarben“, benannt nach den kleinen Muffelöfen, in denen die Farben bei niedriger Temperatur gebrannt wurden, ohne dass sie sich beim Brennvorgang veränderten. „Wenn ein Bauer mit einer rosaroten Hose zu sehen ist, dann waren das Farben, von denen der Maler nicht wusste, wie sie nach dem Brennen aussehen,“ so Eisenhart, dessen Vorfahr Anton Eisenhart am 14. Mai 1804 den Grundstein für die Familien-Zinngießer-Tradition in Eichstätt legte.

„Wir wollen hier auch ein bisschen Regionalgeschichte abbilden,“ erklärte Eichstätts Landrat und erster Vorsitzender des Jura-Bauernhof-Museum e.V. Alexander Anetsberger bei der Ausstellungseröffnung. Mit der Ausstellung über die – mittlerweile nicht mehr aktive –  Orgelbauerfamilie Bittner ist das 2023 schon eindrucksvoll gelungen: „Umso schöner ist es, dass wir hier noch ein lebendiges Handwerk ausstellen können.“ Lebendig soll es auch im Jura-Bauernhof-Museum werden – mit Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene.

Am 13. Juni dürfen Kinder ihr eigenes Zinn gießen – unter der Anleitung von Willi Eisenhart. Und am 2. August kann man seine Zinnobjekte ins Museum bringen, um sie dann ganz im Stil von „Kunst + Krempel“ begutachten zu lassen.

Alle Veranstaltungen finden Sie unter www.jura-bauernhof-museum.de. (ma)

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