Germanenfurcht und Germanensiege
Am Mittwoch, den 16. Juli 2025, laden das kelten römer museum manching und der Keltisch-Römische Freundeskreis Manching e.V. zur nächsten Veranstaltung der beliebten Reihe »Manchinger Vorträge zur Archäologie und Geschichte« ein. Zu Gast ist Prof. Dr. Reinhard Wolters von der Universität Wien. Er referiert ab 18 Uhr unter dem Titel »Ein Volk, das offenkundig selbst Durchschnittskaiser regelmäßig besiegten« über Germanenfurcht und Germanensiege in zeitgenössischen römischen Quellen.
In den allein aus römischer Perspektive erhaltenen Quellen werden die Germanen meist als Angstgegner des Römischen Reiches charakterisiert. Geprägt ist dies durch Ereignisse wie das Vordringen der Kimbern und Teutonen bis in den Alpenraum, die Beschreibung von Caesars Rheinübergängen im »Gallischen Krieg«, die als Gefahrenabwehr beschriebenen Kampagnen im rechtsrheinischen Germanien unter Augustus und Tiberius, den Aufstand der Bataver sowie die Germanenkriege Domitians. Die Forschung fand das antike Urteil einer grundsätzlichen Bedrohung des Imperiums in den germanischen Einfällen ins Reich während der Markomannenkriege bestätigt und führte den Erzählstrang oft bis zur Absetzung des letzten weströmischen Kaisers durch den germanischen Heerführer Odoaker fort.
Daneben ist in den antiken Quellen aber auch eine andere, weniger die Öffentlichkeit suchende Perspektive und politische Pragmatik zu fassen. In ihr scheinen die Germanen kaum mehr zu sein als materies gloriae: ein Gegner, den zu besiegen Ruhm einbringt, ohne dass man sich beim Kampf einem allzu großen Risiko aussetzt. Eine solche Heroisierung funktionierte umso besser, je größer und gefährlicher der Feind in der Öffentlichkeit gemacht wurde. Eine seltene Gegenperspektive bildet das als Vortragstitel gewählte Zitat aus der spätantiken Historia Augusta. In der Lebensbeschreibung des Severus Alexander wird dem am Rhein stehenden Kaiser Inaktivität und mangelnde militärische Leistungsfähigkeit gegenüber einem grundsätzlich eher als schwach charakterisierten Gegner vorgeworfen.
Reinhard Wolters untersucht für die Zeit von den Kimbern bis zur beginnenden Völkerwanderung, welche Gefahren von den Germanen tatsächlich für das Römische Reich ausgingen. Wo handelte es sich eher um propagandistisch aufgebauschte Bedrohungsszenarien, um militärisch wenig begründbare Angriffe oder gar Schaukriege, die mehr der Profilschärfung des jeweiligen Herrschers dienten, als dass sie grenzpolitisch von Bedeutung waren? Als unmittelbar aus ihrer Zeit erhaltene Zeugnisse geben vor allem römische Münzen einen ungebrochenen Einblick: nicht nur für die Ereignisse selbst, sondern auch dafür, wie sich der Kaiser als Sieger inszenierte.
Der Vortrag gehört zum Rahmenprogramm der aktuellen Sonderausstellung »Roms Armee im Feld«, die am 16. Juli 2025 bis zum Beginn des Vortrags geöffnet ist. Eine Anmeldung zur kostenfreien Veranstaltung ist nicht erforderlich.
Die nächsten Manchinger Vorträge zur Archäologie und Geschichte im Überblick
Mittwoch · 24.09.2025 · 18:00 Uhr
Dr. Petra Lönne (Kreisarchäologie Northeim)
Roms vergessener Feldzug – Die Schlacht am Harzhorn
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Mittwoch · 15.10.2025 · 18:00 Uhr
Prof. Dr. Thomas Fischer (Universität zu Köln)
Veteranen und Villen – Zur Landwirtschaft im römischen Bayern
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Mittwoch · 12.11.2025 · 18:00 Uhr
Dr. Andreas Boos (Historisches Museum Regensburg)
Die Mauern von Castra Regina – Oberirdische Reste des Regensburger Legionslagers
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Mittwoch · 03.12.2025 · 18:00 Uhr
Prof. Dr. Ute Verstegen (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
Zwischen China und Byzanz – Frühchristliche Kultur entlang der Seidenstraßen
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Veranstaltungsort
kelten römer museum manching · Im Erlet 2 · D-85077 Manching
Telefon +49 (0)8459 32373-0 · www.museum-manching.de
Öffnungszeiten: Mi–Fr 9:30–16 Uhr · Sa/So/Feiertage 10–17 Uhr
