Wie die Mikroskopierer das Sehen lernten

    Am Sonntag, 20. Juli, begeht die „Gesellschaft der Freunde und Förderer des Deutschen Medizinhistorischen Museums e. V.“ ihren Jahrestag. Neben einer Kuratoriumssitzung und der Mitgliederversammlung umfasst das Programm traditionell auch einen öffentlichen Festvortrag im Barocksaal des Stadtmuseums. Um 11 Uhr spricht dort Professorin Claudia Wiesemann, emeritierte Direktorin des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin an der Universitätsmedizin Göttingen, zum Thema „Der Streit über die Zelle: Wie die Mikroskopierer des 19. Jahrhunderts das Sehen lernten“.

    Die wissenschaftlichen Auseinandersetzungen des 19. Jahrhunderts über die Zelle drehten sich um die Frage: „Was sehe ich, wenn ich durch ein Mikroskop schaue?“. Denn einerseits eröffneten die in den Werkstätten Frauenhofers in München, Plössls in Wien und Schieks in Berlin hergestellten Lichtmikroskope den Anatomen und Physiologen eine ganz neue, nahezu unerschöpfliche Welt optischer Eindrücke, andererseits aber stellten sie die Forscher vor die herkulische Aufgabe, Wichtiges von Unwichtigem, organische Struktur von menschlichem Artefakt zu unterscheiden, und diese Strukturen wiederum als Prozesse in der Zeit zu interpretieren. Wie das gelang (oder auch misslang), soll an einer Auseinandersetzung zwischen dem Berliner Pathologen Rudolf Virchow und dem Göttinger Anatom Jacob Henle gezeigt werden.

    Zur Referentin:
    Claudia Wiesemann war von 1998 bis 2024 Direktorin des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin an der Universitätsmedizin Göttingen. 2021 wurde sie zum Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina gewählt, 2020 in die Initiative Niedersächsischer Ethikrat berufen. Von 2012 bis 2020 war sie Mitglied des Deutschen Ethikrats, seit 2016 in der Funktion der Stellvertretenden Vorsitzenden. Claudia Wiesemann war von 2010 bis 2016 Mitglied der Zentralen Ethikkommission bei der Bundesärztekammer (ZEKO) und von 2002 bis 2012 Präsidentin der Akademie für Ethik in der Medizin e. V. 1998 bis 2007 amtierte sie als Secretary des Wissenschaftlichen Beirats der European Association for the History of Medicine and Health.

    2022 wurde Claudia Wiesemann der Wissenschaftspreis des Landes Niedersachsen verliehen, weil sie als Pionierin der Medizinethik in Deutschland die wissenschaftliche Exzellenz und internationale Sichtbarkeit des Fachs entscheidend vorangetrieben habe.

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    Datum

    Juli 20 2025
    Abgelaufen!

    Uhrzeit

    11:00 - 13:00

    Standort

    Stadtmuseum Ingolstadt
    Stadtmuseum Ingolstadt, Auf der Schanz 45, 85049 Ingolstadt

    Kategorie

    Veranstalter

    Gesellschaft der Freunde und Förderer des Deutschen Medizinhistorischen Museums
    Webseite
    https://www.freunde-dmmi.de/
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