Es gab eine Zeit, in der man den Begriff „Urzeitkrebse“ genannt hat und damit automatisch an die legendären Yps-Hefte dachte. „In Ausgabe 25 gab es ein magisches Pulver, aus dem kleine Urzeitkrebschen schlüpften“, erklärte Dr. Christian Ifrim, wissenschaftliche Leiterin des Jura-Museums auf der Eichstätter Willibaldsburg bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Urzeitkrebse, Überlebenskünstler der Natur“. In Ausgabe 26 wurde dann übrigens das Futter mitgeliefert und so konnten junge Forscher ihre eigenen Krebse züchten. „Das war ein großes Erfolgsmodell, das Yps immer wieder aufgelegt hat, wie man in der Ausstellung sehen kann. Und schon in den 1970er Jahren hat so die Wissenschaftskommunikation begonnen.“
Andreas Hecker ist Biologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Museumpädagoge im Jura-Museum. Er hat seine ganz eigenen Yps-Heft Erfahrungen gemacht. Als achtjähriges Kind bekam er so ein Heft geschenkt, in dem nur die Eier drinsteckten. Die eigenen Fütterungsversuche mit Hefe und dann mit (zu viel) Salz waren zunächst wenig erfolgreich: „Der zweite Versuch hat funktioniert. Es kamen kleine, weiße Tierchen raus, die herumschwammen. Ich kann mich aber nicht daran erinnern, ob sie auch groß wurden,“ erzählte er am Rand der Ausstellungseröffnung. Klar war ihm aber schon als Kind, dass seine Berufung die Biologie werden würde.

Und so weihte Andreas Hecker die Gäste in die Geheimnisse der Urzeitkrebse ein, die als überlebensgroße Modelle, Fossilien, Fotografien oder lebende Exemplare im Sonderausstellungsraum des Museums zu sehen sind. Die Stammlinie der winzigen Tiere lässt sich 500 Millionen Jahre zurückverfolgen, seit 430 Millionen Jahren haben sie sich in Feenkrebse, Rücken- und Muschelschaler entwickelt. Die Feenkrebse, die wie alle Urzeitkrebse in kurzzeitig existierenden Gewässern wie Pfützen leben und auch nur wenige Wochen alt werden, sind kleine Kuriositäten. Sie schwimmen auf dem Rücken und blicken mit ihren Stilaugen immer nach oben: „Wenn ein Schatten auf das Wasser fällt, tauchen sie auf das Laub am Grund ab. Dann sind sie nahezu unsichtbar und können nicht von Fischen gefressen werden“, so Hecker.
Das größte Modell der Ausstellung zeigt zwei Rückenschaler, auch Triops genannt. Diese Lebewesen sind laut Christina Ifrim die Stars der Schau: „Das ist die älteste Art der Erdgeschichte. Seit etwa 280 Millionen Jahren gibt es diese Form. Der hat die Dinosaurier kommen und gehen sehen und drei richtig große Krisen in der Erdgeschichte erlebt und ist immer noch da.“ Die Frühlingsversion des Krebses ist gerade jetzt aktiv, später sind dann die sommerlichen Kollegen an der Reihe.
In der Wanderausstellung des Urweltmuseums GEOSKOP mit Leihgaben aus dem Naturkundemuseum Magdeburg kommen Muschelschaler, Wasserflöhe und Daphnien (keine Urzeitkrebse) vor, es geht um die Verbreitung der Tiere bzw. deren Eier durch Wind und Wasser, aber auch durch den Transport auf Tieren, Menschen, Autos und Co. Die Eier sind extrem stabil, widerstandsfähig und langlebig, weshalb sie auch als „Gimmick“ für ein Comic-Magazin taugen: „Der Rekord bei keimfähigen Daphnien-Eiern liegt bei über hundert Jahren“, erklärte Andreas Hecker. Und Schildkrebs Eier haben sogar einen mehr als einjährigen Ausflug ins Weltall überlebt – und zwar an der Außenhülle der ISS.
Trotzdem zählen alle 12 Urzeitkrebsarten in Deutschland zu den bedrohten Arten, weil ihr Lebensraum schwindet: Es gibt immer weniger Pfützen! Übrigens: Dass man in Deutschland vereinzelt Exemplare des nordamerikanischen Krebstierchens „Artemia monica“ gefunden hat, ist auf die legendären Yps-Hefte zurückzuführen. (ma)
Kurz notiert:
Urzeitkrebse, Überlebenskünstler der Natur
bis 8. November 2026
Jura Museum
Eichstätt, Willibaldsburg
www.jura-museum.de
