40 Jahre Engagement für die Jurahäuser

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    „Ich möchte endlich mit der Baumaßnahme anfangen!“ Eva Martiny ist die erste Vorsitzende des Eichstätter Jurahausvereins und ihr Blick richtet sich momentan nach Mörnsheim. Dort rettet der Verein in Kooperation mit dem Kulturerbe Bayern e.V. zwei historische Gebäude im Ortskern – ein Jurahaus aus dem Jahr 1416 und das „Kutscherhäusl“ von 1723. Damit erfüllt der Verein genau die Aufgabe für die er ins Leben gerufen wurde: Die Kulturlandschaft der Jurahäuser – oder was von ihr noch übrig ist – zu erhalten. 1984 ist der Verein gegründet worden, nachdem wieder einmal eine Abbruchwelle zahlreiche Gebäude verschwinden ließ. 2018 wurden die Aktivitäten des Jurahausvereins als „Der Erhalt der Jurahäuser – Traditionelle Baukultur im Altmühljura“ in die Bayerische Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen und seit 2021 ist der „Erhalt der bauhandwerklichen Praxis der Jurahäuser im Altmühljura“ in der deutschen UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes – Gute Praxisbeispiele – zu finden.

    Gebäude mit besonderen Qualitäten

    Eva Martiny und Stefan Pfättisch vom Vorstand des Jurahausvereins.

    Typisch für die Jurahäuser ist das Kalkplatten- und Zwicktaschendach. Jurahäuser sind seit dem 12. Jahrhundert belegt und waren bis 1953 der in der Altmühlregion dominierende Baustil. Aktuell sollen es noch rund 3000 Jurahäuser sein, die hauptsächlich in den Landkreisen Eichstätt und Weißenburg-Gunzenhausen zu finden sind, aber auch in den Landkreisen Donau-Ries, Neuburg-Schrobenhausen, Roth, Neumarkt, Regensburg und Kelheim. „Wir sehen in diesen historischen Gebäuden Qualitäten. Wenn man eine gewisse Sensibilität mitbringt, kann man diese atmenden Wände spüren, man kann die Qualität der Fensterlaibungen wahrnehmen, die mehr Licht ermöglichen, als man von einem so kleinen Fenster erwarten würde. Ich persönlich kann mich an gewissen Ecken und Nischen im Haus ein Leben lang erfreuen,“ schwärmt Stefan Pfättisch, zweiter Vorsitzender des Jurahausvereins. Freilich: schnurgerade ist hier kaum etwas, niedrige Türen und dicke Mauern entsprechen nicht den einheitlichen DIN Maßen moderner Gebäude. Dafür besitzen diese Häuser eine Qualität und Dauerhaftigkeit, die man sich „in neu“ nicht leisten könnte. Und um diese zu erhalten, sind heute wie vor 40 Jahren spezialisierte Handwerker nötig. Dabei hat ein Umdenken eingesetzt – zum Positiven, wie Stefan Pfättisch festgestellt hat: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man 1984 noch viele Probleme gehabt hat, Handwerker zu finden, die sich auch auf das Denkmal eingelassen haben. Heute ist das ganz anders. Da habe ich Firmen, die mir etwa drei Putzbeispiele vorlegen und man kann sich gar nicht entscheiden, welches das bessere ist.“

    Die „Schützlinge“ des Jurahausvereins in Mörnsheim. (Foto: Jurahausverein)

    Die historische Bausubstanz als die „Seele des Hauses“ zu erhalten und diese aber mit modernem Wohnkomfort zu kombinieren, das sollte das Ziel einer Jurahaus-Sanierung sein. Auf dem Weg dorthin ist der Jurahausverein behilflich. Eva Martiny empfiehlt Sanierungswilligen folgende Herangehensweise:

    –          Wenn es sich um ein Baudenkmal handelt, einen Termin mit dem Landesamt für Denkmalpflege vereinbaren

    –          Unbedingt Entwicklung eines denkmalpflegerischen Vorprojekts mit Kostenschätzung und statischer Aufnahme („damit man weiß, auf was man sich einlässt“)

    –          Holen Sie sich einen denkmalerfahrenen Architekten bzw. Architektin

    –          Ganz wichtig: Engagieren Sie einen denkmahlerfahrenen Statiker bzw. Statikerin, weil sich die Statik nicht wie in einem Neubau berechnen lässt

    Sich durch den Dschungel der Vorschriften zu kämpfen und diverse Fördertöpfe anzuzapfen, auch dabei ist der Verein behilflich. Infos findet man auf der Homepage www.jurahaus-verein.de

    Das Museum ist das Haus selbst

    Wer sich über die Geschichte der Jurahäuser informieren will, der kann sich im Museum „Das Jurahaus“ in der Rot-Kreuz-Gasse in Eichstätt ein Bild davon machen. Vor zehn Jahren ist es eröffnet worden, nachdem das heruntergekommene denkmalgeschützte Handwerkerhaus von 1657 grundlegend und mit viel Eigenleistung der Vereinsmitglieder saniert worden ist. Und so ist das Gebäude selbst ein Beispiel für die gelungene Erhaltung historischer Substanz. In den Räumen finden außerdem Veranstaltungen und Ausstellungen statt. Das Büro des Jurahausvereins befindet sich ebenfalls dort.

    Beispiel für eine gelungene Sanierung: Das Amtsknechthaus in Dollnstein. Die Sanierung wurde 1997 mit dem Denkmalpreis der Hypokulturstiftung geehrt. (Foto: Jurahausverein)

    Mehr Engagement gefordert

    Es beginnt zumeist mit einem undichten Dach. Das Gebälk verfault, das Dach stürzt ein und am Ende fällt das Gebäude in sich zusammen. Ein Schicksal, das beispielsweise dem Tempelhof in der Nähe von Ochsenfeld droht. Das dreigeschossige Herrenhaus mit Eckerker und Kalkplattendach aus dem 17./18. Jahrhundert ist dem Untergang geweiht, wenn nichts passiert. Mit Blick auf solche geschichtsträchtigen Gebäude, die dem Verfall überlassen werden und sterbende Ortskerne nimmt Eva Martiny die Entscheidungsträger in die Pflicht: „Wir wünschen uns mehr Engagement der Lokalpolitik sowohl auf der kommunalen als auch auf der bayerischen Ebene. Das ist Kultur- und Heimatpolitik. Heimat wird in Sonntagsreden im Mund geführt, aber hier schaut man zu, wie Heimat verkommt.“

    Gerade erschienen: Das Jurahaus Nr. 30

    Der Verein gibt jedes Jahr eine Zeitschrift mit dem Titel „Das Jurahaus“ heraus. Das Jubiläums-Heft, die Nr. 30, ist soeben erschienen und im Web-Shop des Vereins sowie im Buchhandel und im Museum „Das Jurahaus“ erhältlich. (ma)

    Termine im Frühjahr 2024:

    Freitag, 19. April 2024, 18:00 Uhr Ausstellung – Sieglinde Bottesch „Das Große im Kleinen.“ Objekte und Zeichnungen
    Ausstellungseröffnung: Freitag, 19. April 2024, 18.00 Uhr
    Die Ausstellung läuft bis 02. Juni 2024
    Ort: Museum Das Jurahaus, Eichstätt, Rot-Kreuz-Gasse 17

    Sonntag, 21. April 2024, 14:00 bis 16:00 Uhr: Besichtigung – Jurahaus
    Ort: Kastnerplatz 10, 91804 Mörnsheim
    Markus Bittl (in Zusammenarbeit mit dem Frankenbund Weißenburg)

    Freitag, 07. Juni 2024, 18:00 Uhr Ausstellung – Anton Brandl „Kiesgruben und Schotterwerke.“ Fotografien
    Ausstellungseröffnung: Freitag, 07. Juni 2024, 18.00 Uhr
    Die Ausstellung läuft bis 28. August 2024
    Ort: Museum Das Jurahaus, Eichstätt, Rot-Kreuz-Gasse 17

    Samstag, 22. Juni 2024, 19:00 Uhr: Benefizkonzert – Mühschossbuam. Musikkabarett
    Ort: Trefferstadl, Alte Salzstraße 21, 92339 Beilngries-Kottingwörth
    Der Erlös des Benefizkonzerts kommt der Instandsetzung des Jurahaus-Ensembles Kirchenweg 1+2 in Mörnsheim zugute.

    Führungen zu den „Schützlingen“ des Jurahausvereins in Mörnsheim richten sich auch nach dem Fortschritt der Sanierungsarbeiten. Sie werden u.a. auf der Webseite www.jurahaus-verein.de bekannt gegeben.

    Kurz notiert:

    Jurahaus-Verein e.V.
    Museum “Das Jurahaus”
    Rot-Kreuz-Gasse 17
    85072 Eichstätt
    www.jurahaus-verein.de
    facebook.com/jurahausverein
    instagram.com/jurahausverein

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