Im Westen was Neues: Brettspiele für wilde Cowboys

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    Der Schock sitzt immer noch tief: Nach dem Feuer in der Westernstadt „Pullman City“ ist der beliebte Freizeitpark in Niederbayern noch geschlossen. Spannende Brettspiele aus dem Wilden Westen können die Wartezeit auf die Wiedereröffnung verkürzen.

    Bei Showdown schlüpfen wir in die Rolle von Banditen, die eine Bank ausrauben. Allerdings ist mit dem Sheriff nicht zu spaßen. Der dreht seine Runden und wen er erwischt, verliert das mühsam ergaunerte Geld. Zwischendurch überfallen wir mal eine Kutsche oder raufen mit anderen Banditen.

    Fun fact: es ist ein Spiel aus dem Verlag Haba, das für seine liebevollen Kinderspiele bekannt ist. Wie passt das mit herumziehenden Banditen zusammen? Es passt sehr wohl, denn die Langfinger sind Präriehunde und somit wirkt das Spiel eher niedlich denn gefährlich. Dafür können die Kinder ab ca.10 Jahren schon erste taktische Entscheidungen treffen: Die Symbole auf den Karten geben vor, welche Aktionen man ausführen darf. Und da gilt es genau hinzuschauen und auszuwählen: Den eigenen Banditen zum Klauen in die Bank schicken oder lieber den Mitspielern das Geld wegnehmen. Das Würfelglück spielt auch eine entscheidende Rolle und sorgt dafür, dass alles nicht allzu ernst wird. Die Ausstattung ist hochwertig und lädt zum Spielen ein – mit Schnurrbärten und Sonnenbrillen, die den Sheriff ablenken.

    Showdown von Jakob und Benjamin Schwer ist erschienen im Verlag Haba, es kostet ca. 20 Euro.

    Wesentlich wilder geht es zu in Für eine Handvoll Meeple. Das Wort Meeple bezeichnet eine Spielfigur und setzt sich zusammen aus den englischen “my” und “people”. Und diese Meeple duellieren sich, brechen aus Gefängnissen aus oder gehen zum Saufen in den Saloon. Sprich: Sie machen einem Italo-Western alle Ehre. Auf dem Spielplan ist eine Westernstadt zu sehen mit verschiedenen Häusern. Auf die werden die Meeples verteilt: Rote sind Räuber, Gelbe sind Goldgräber, Blaue sind Hilfssheriffs. Viele graue Handwerker sind auch dabei. Wenn ich am Zug bin, nehme ich alle Spielfiguren aus einem Haus in die Hand und stelle eine nach der anderen der Reihe nach vor die Häuser. Bekannt ist dieser Mechanismus aus dem alten Mancala-Spiel, bei dem Spielsteine in eine Mulde gelegt werden.

    Doch hier bleiben die Meeples nicht einfach vor dem jeweiligen Haus stehen. Je nachdem, wer sich gerade darin befindet, wird kräftig geraubt oder Banditen ins Gefängnis geschickt. Was tut man nicht alles für Gold. Und sobald zwei Meeple auf den gegenüberliegenden Showdown-Feldern stehen, kommt es zum Duell. Hier entscheidet der Würfel, wer als Sieger hervorgeht. Ein Spiel mit Augenzwinkern. Etwas Strategie, viel Glück und noch viel mehr Atmosphäre sorgen für einen abwechslungsreichen Spieleabend.

    Für eine Handvoll Meeple von Jonny Pac, ist erhältlich über den Vertrieb Asmodé. Es kostet ca. 29 Euro.

    Wem das alles zu bleihaltig ist, dem kann ich das ruhigere Legespiel Moon River empfehlen. Hier befinden wir uns in der Welt der Kingdomino-Spielreihe. Kingdomino war das Spiel des Jahres 2017. Da legen wir Landschaftsplättchen so geschickt in die eigene Auslage, dass wir am Ende viele Punkte bekommen. Hier nun befinden wir uns in der Prärie, bauen Maisfelder an, durchqueren die Wüste oder den Canyon. Der Clou dabei: Die Landschaftsplättchen werden erst im Lauf des Spiels zusammengepuzzelt. So kann ich den Wald z.B. mit einem Gebäude verbinden oder mir der Prärie, falls es mir besser passt. Das hängt auch davon ab, ob sich Rinder auf dem Plättchen befinden. Denn die möchte ich als Cowboy auf meinen Parzellen verteilen.

    Das ist zum Teil recht knifflig. Denn meine Mitspieler schnappen mir immer wieder ein erhofftes Teil vor der Nase weg. Dann muss ich halt mal meine Viehdiebin einsetzen, um jemanden ein Rind von der Ranch zu stehlen. Doch abgesehen von solchen Sonderaktionen geht es recht friedlich, ja regelrecht bedachtsam zu. Ich bemühe mich halt, meine Landschaft zu optimieren. Das wirkt ein wenig solitär, dafür bleibt es bis zum Ende spannend, wir gut ich mich im Vergleich zu den anderen entwickelt habe. Eine reizvolle Variante eines ausgezeichneten Grundspiels.

    Moon River von Bruno Cathala und Yohan Servais ist erschienen im Verlag Pegasus, es kostet ca. 30 Euro.

    Über den Autor:

    Brettspielexperte Bernhard Löhlein stellt in Bayern mittendrin neue Spiele vor. Seit Jahrzehnten befasst sich der Ingolstädter Journalist (und Mitglied im Spieleclub Ali Baba) mit Brettspielen. Er war zudem viele Jahre  Sprecher der Jury zum Spiel des Jahres.

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