Die Ausstellung im Schrobenhausener Pflegschloss ist ein Projekt der Künstlerinnen Steffi Wanzl-Lawrence und Susanne Pohl, die seit 2015 auch an gemeinsamen Bildern arbeiten. Zu sehen sind jeweils eigene Werke der Künstlerinnen sowie „vierhändig“ entstandene Zeichnungen und großformatige Gemälde.
Steffi Wanzl-Lawrence formt eindringliche bildnerische Persönlichkeitsstudien sowie Begegnungen des Zwischenmenschlichen im gesellschaftlichen Kontext, die oft Fragen aufwerfen, verwirren, Möglichkeiten anklingen lassen und verwerfen. Altmeisterlich fein ausgearbeitete Malerei begegnet abstrakten Ereignissen, die zuvor vermittelten Wahrheiten den Boden wieder entziehen.
Susanne Pohl wendet sich in ihren Zeichnungen und Gouachen dem Ausdruck vielschichtiger menschlicher Befindlichkeiten zu, während die filigran ausgeführten Landschaften in ihren Radierungen zu zeitlosen Stimmungen verdichtet sind und zugleich Archivcharakter haben für Landschaften, die es „einmal gegeben haben wird“.
Die vierhändig entstandenen Werke erzählen Geschichten, die auf der bewussten, gleichzeitig stattfindenden gestalterischen Auseinandersetzung mit dem Werk des Gegenübers fußen. Die Betrachter*innen sind eingeladen, die Geschichten weiterzuspinnen und ihre eigenen Eindrücke und Gedanken einzubringen.
Abwechslungsreiche Techniken prägen das Gesicht der Ausstellung; die Bandbreite reicht von der Zeichnung als unmittelbarster Handschrift der Kunst über Grafik, Druckgrafik und Gemälde bis zum bewegten Bild einer Videoinstallation.
Viele kennen das Kinderspiel „Engel flieg“, bei dem ein Kind zwischen zwei Erwachsenen geht, die es an der Hand halten, Schwung holen und es hoch hinaus fliegen lassen – natürlich ohne es loszulassen. Engel flieg. Flieg höher, und flieg wieder und wieder. „Höher“ ist ein unendlicher Zustand, der gegen die Endlichkeit einer Achse sich ausdehnt, sich einer Begrenzung annähert. An der höchsten Stelle im Flug des Kindes gibt es ein Moment der Schwerelosigkeit, bevor die Schwerkraft gegen den Impuls gewinnt und das Kind sich wieder abwärts bewegt.
Kunst ist für Pohl und Wanzl-Lawrence der Augenblick, der sich schwerelos anfühlt. Oder vielleicht kann es auch darum gehen, mit Schwerelosigkeit im Geist Kunst zu betrachten. Wir fühlen die Grenze und können es doch nicht lassen, darüber hinaus streben zu wollen. Noch einen Millimeter bitte. (st-sob)
Eröffnung: Sonntag, 5. Juli 2026, 14 Uhr
Dauer: 5. Juli bis 4. Oktober 2026
Geöffnet: Mi, Sa, So und feiertags: 14-16 Uhr / für Gruppen auf Anfrage
