Die Geschichte der Zeit im Zeitraffer

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    Sie ist einfach so da, wir bekommen sie geschenkt und doch ist sie das Wertvollste, das wir haben. So hat die wissenschaftliche Leiterin des Jura-Museums, Dr. Christina Ifrim, die Zeit beschrieben. Diese allgegenwärtige und doch unfassbare physikalische Größe ist das Thema der neuen Sonderausstellung „Alle Zeit der Welt. Vom Urknall zur Uhrzeit“, die nun eröffnet wurde. Übrigens gerade recht-zeitig nach einem überstandenen Wasserrohbruch. Das freute auch die Präsidentin der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, Prof. Dr. Gabriele Gien, für die mit Blick auf das Museum im Jahr 2019 eine neue Zeitrechnung begonnen hatte. Damals übernahm die Uni  – zugegeben etwas zögerlich – die Trägerschaft. Doch schnell hat sich herausgestellt, dass die einzigartige Sammlung und das engagierte Museumsteam auch Forschung und Lehre an der Universität bereichern. Womöglich vermag auch die Sonderausstellung wissenschaftliche Diskurse anzuregen – das Thema erweist sich jedenfalls als bestens geeignet, spielen doch Physik, Astronomie, Geologie, Paläontologie, Anthropologie, Kulturgeschichte und Theologie mit hinein. Und natürlich stellt sich die Frage, in welcher Zeit wir eigentlich leben.

    „Zeit ist nicht umkehrbar,“ betonte Prof. Dr. Joris Peters, der Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns, zu denen auch das Jura-Museum gehört. Zeitgeist, Zeiträume, Teilzeit erwähnte er im Rahmen des Zeitfensters, das ihm für die Begrüßungsworte gegeben war, um dann aus aktuellem Anlass die Halbzeit und die Nachspielzeit nicht zu vergessen. Musikalisch umrahmt wurde die Ausstellungseröffnung von Pia Manz, Eleonora Hartmann und Florian Müller an Lithophonen, also Instrumenten, die Steine zum Klingen bringen.

    Der Ball aus der Zeit nach dem Knall

    Hat die Zeit einen Anfang? Eine spannende Frage, die auch am Anfang der Sonderausstellung steht. Die Besucher und Besucherinnen begrüßt eine orangene Kugel, die das Universum kurz nach dem Urknall darstellt. Bis heute sind rund 13,8 Milliarden Jahre vergangen und das Universum dehnt sich weiter aus. Woher wir wissen, wann der Urknall stattgefunden hat, das erklärt kein geringerer als Prof. Harald Lesch, der in speziellen Medienstationen „schwebt“: „Wir haben mit ihm schon öfter zusammengearbeitet, aber das war wirklich eine fantastische Zusammenarbeit, die wahnsinnig Spaß gemacht hat. Er war sofort Feuer und Flamme für das Thema und erklärt hier als geisterhafte Erscheinung Dinge in seiner unnachahmlichen Art ,“ erklärte Dr. Michael Apel, der Leiter des Museums Mensch und Natur in München, das die Sonderausstellung konzipiert hat.

    Vom Urknall führt die Zeitreise weiter. Die Entstehung der Erde, des Lebens auf der Erde, die Taktung dieses Lebens – all das wird in der Ausstellung thematisiert. Dabei sind zahlreiche Ausstellungsstücke aus der Erdgeschichte vertreten, die auf den ersten Blick vielleicht wenig spektakulär erscheinen. Wenn aber klar wird, dass zum Beispiel so ein Stück Eisenerz ein „Zeitzeuge“ für die Entstehung von Sauerstoff auf der Erde ist, bekommt so ein „Brocken“ eine fundamentale Bedeutung.

    Ein 15 000 Jahre altes Lebewesen?

    „Eines meiner Lieblingsobjekte der Ausstellung ist der Glasschwamm aus der Antarktis, den wir vom Alfred-Wegener-Institut ausleihen konnten. Er gilt als ältestes Tier der Welt,“ schwärmte Michael Apel im Gespräch mit Bayern mittendrin. An die 15 000 Lebensjahre soll der Schwamm erreicht haben – vermutlich waren es nicht ganz so viele, aber dennoch dürften diese Lebewesen zu den ältesten auf Erden zählen. Gleich nebenan in der Ausstellung befindet sich ein prominentes „Urviech“: Der Quastenflosser – als 150 Millionen Jahre altes Fossil und als lebendes Exemplar im Film.

    Glasschwamm aus der Antarktis

    Wie kurz ist da doch die menschliche Lebenszeit. Auch das wird einem in dieser Ausstellung bewusst. Mit einem besonderen Objekt wird der menschliche Lebenszyklus im wahrsten Sinne begreifbar gemacht, denn die Hände aus Bronze dürfen angefasst werden: „Wir haben von Kindern, Enkeln, Großeltern, Eltern unserer Mitarbeiter Abdrücke genommen und in Bronze gießen lassen.“ Und wer das Thema Zeit thematisiert, muss auch ihr Ende im Blick haben. Für die Lebewesen ist die Lebenszeit irgendwann abgelaufen. Und so geht es auch um (unsere) Vergänglichkeit, die in München am toten Objekt (eine Ratte) und Speckkäferlarven live demonstriert worden war. Auf der Willibaldsburg gibt´s dazu eine Zeitraffer-Aufnahme zu sehen.

    Erarbeitet wurde die Ausstellung wie erwähnt vom Museum Mensch und Natur in München, das eigentlich schon geschlossen sein sollte und dies als seine letzte Sonderausstellung geplant hatte (aber auch hier spielte die Zeit eine wichtige Rolle, denn es ist immer noch geöffnet). „Das Schöne an der Ausstellung ist aber, dass sie nicht nur vom Museum Mensch und Natur konzipiert wurde, sondern von einer ganzen Reihe an Institutionen und Museen in ganz Bayern,“ betonte Christina Ifrim, „auch wir im Jura-Museum arbeiten mit dem Museum Mensch und Natur und den drei anderen Naturkundemuseen in Nördlingen, Bayreuth und Bamberg eng zusammen.“ Dieser Zusammenarbeit habe man es zu verdanken, dass diese Ausstellung nun in Eichstätt zu sehen sei. Man sollte sich Zeit nehmen für diese Ausstellung über die Zeit, die übrigens nicht nur im Sonderausstellungsbereich, sondern auch im Eingangsbereich des Museums selbst zu sehen ist. Bis 12. November 2023 ist Zeit dafür. (ma)

    Kurz notiert:
    Alle Zeit der Welt
    Vom Urknall zur Uhrzeit
    Jura-Museum auf der Willibaldsburg in Eichstätt
    14. Dezember 2022 – 12. November 2023
    www.jura-museum.de

     

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