Kunst von Martin Creed im Museum für Konkrete Kunst

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    Es sieht aus wie ein überdimensionales Bälle-Bad, was sich da in das Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt „ergossen“ hat. 2500 Luftballons, allesamt knallgelb (und manchmal auch mit Knalleffekt) bevölkern den Eingangsbereich und wabern durch das Erdgeschoss. Zwischendrin die Besucherinnen und Besucher, die sich zunächst vorsichtig einen Weg durch die Ballons bahnen, mit der Zeit aber durchaus spielerische Freude an dieser Kunsterfahrung entwickeln (Ersatzluftballons sind vorhanden, um allen Gästen ein intensives Ballon-Bad zu ermöglichen. Beim Aufblasen waren viele Helfer auch aus dem Freundeskreis ein ganzes Wochenende im Einsatz).

    Was für ein spektakuläres Entree für eine besondere Schau: „Half the air in a given space“ heißt diese Installation, die der britische Künstler Martin Creed – selbst ein Gesamtkunstwerk – geschaffen hat. Der Turner Preisträger und Meister der Konzeptkunst bespielt das Museum bis Anfang März und war zur Pressevorstellung höchstselbst angereist. „Wir sind total glücklich. Wir haben ihn persönlich hier!“ Mit diesen Worten begrüßte eine strahlende Museumsleiterin Dr. Theres Rohde die Pressevertreterinnen und -vertreter, die ausgesprochen zahlreich zum Rundgang im Museum für Konkrete Kunst angetreten waren. Martin Creed in Ingolstadt – das lockt selbst die Kulturredaktionen aus München in die Schanz. Dabei war diese Ausstellung nicht von langer Hand geplant, schließlich wollte man ja bereits in das neue Museum auf dem ehemaligen Gießereigelände umziehen. Der „Stau am Bau“ beschert den Kunstfreunden nun diese außergewöhnliche Ausstellung im „alten“ MKK.

    v.l.n.r.: Theres Rohde (Direktorin), Martin Creed und Marie-Luise Heske (Kuratorin) vor Work No. 2333
    (2015) und Work No. 740 (2007) Dispersionsfarbe auf Wand, Martin Creed, All Rights Reserved, VG
    Bild-Kunst, Bonn 2023. Foto: Sebastian Birkl / MKK Ingolstadt 2023.

    Kuratiert wurde die Ausstellung mit dem Titel „I don’t know what art is“ von Marie-Luise Heske und nicht vom Künstler selbst: „Es ist ein neues Experiment für mich, mein eigenes Werk nicht selbst zu kreieren,“ erklärte Martin Creed. Aber für den Briten ist das kein Problem, sondern begrüßenswerter Erkenntnisgewinn. „Ich möchte mehr darüber wissen, was ich eigentlich tue.“ Womit wir bei der (titelgebenden) Frage angekommen sind: Was ist Kunst? Ist das Kunst? Gerade ein Museum für Konkrete Kunst wird oft gefragt, wie Kunst zu definieren ist und ob das, was in diesem Haus gezeigt wird, unter einen „klassischen“ Kunstbegriff fällt. Martin Creed beantwortet diese Frage übrigens nicht. Das muss jeder, der sich auf diese Erfahrung einlässt, selbst beantworten. Gerne auch zuhause, ganz für sich selbst. Dabei hilft ein kleines Begleitheft bei der Auslotung des eigenen Kunstbegriffs.

    Und Kunst spontan entstehen zu lassen, darauf ließ sich der Künstler beim Presserundgang ein. Diese eine weiße Wand wollte bespielt werden…

    „Wir wollten ein Spektakel schaffen, in das man eintaucht,“ erklärte Ausstellungskuratorin Marie-Luise Heske. Ein Querschnitt durch den Kunstaspekt sollte entstehen – von der Malerei bis zur Performance, der immer die Architektur des Museums mit einbezieht. „Martin Creed, dessen Kunst sich in das Vorhandene einfügt, findet dabei immer wieder den Bezug zur Konkreten Kunst,“ so Heske. An ein konkretes Kunstwerk erinnert etwa der „Streifenteppich“, den der Künstler im zweiten Obergeschoss installieren ließ. Hier wurden rund 1,9 Kilometer Klebeband verarbeitet. „Jedes Band ist nur einmal verwendet worden und alle 54 Tapes mussten im normalen Handel verfügbar sein,“ erläuterte Theres Rohde. Martin Creed selbst bekannte dazu: „Ich hasse Linien, habe Angst vor ihnen. Sie sind nicht gut, weil sie Dinge trennen. Linien zu ziehen, ist ein Problem dieser Welt.“  Zumindest künstlerisch kann man nun im MKK Linien überschreiten. Zu entdecken gibt es dabei noch viel mehr – von der Installation aus Küchenkrepp über den „Sick Film“ („nicht jeder hält das aus“) bis zum fotografischen Druck, auf dem die Hunde Orson und Sparky zu sehen sind. Und bevor Zweifel am reinigungspersonal im Museum aufkommen: die geknüllten Papiere, die hier und da herum liegen, sind Kunst und können nicht weg. Oder doch?

    Kurz notiert:

    Martin Creed
    I don’t know what art is
    21.10.2023 bis 03.03.2024

    Museum für Konkrete Kunst
    Tränktorstr. 6-8
    85049 Ingolstadt
    www.mkk-ingolstadt.de

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