Moment mal. War das schon immer da? Und doch ist irgendetwas anders… Man kann schon ins Grübeln geraten, wenn man derzeit durch die Räumlichkeiten des Eichstätter Domschatz- und Diözesanmuseums wandelt. Zwischen den historischen Gemälden, Heiligenstatuen und liturgischen Geräten finden sich Fotografien, die auf den ersten Blick wie Gemälde aussehen: Schmetterlinge, die sich auf Obst niedergelassen haben, ein Kugelfisch in Fisch-Begleitung, ein Schneehase, der durchs Geschirr prescht oder Tulpen, die in Tier-Hörnern stecken und eine Ente „umgarnen“ – das sind die kuriosen Stillleben, die die Sammlungsfotografen Sebastian Köpcke und Volker Weinhold aus Berlin nach Eichstätt gebracht haben.

„Die Fotos mit den Tulpenmotiven haben wir extra mitgebracht, weil es da natürlich mit dem Garten von Eichstätt Berührungspunkte gibt“, erklärt Volker Weinhold. Die Arbeiten der Fotografen greifen das traditionelle Genre der Jagd-, Küchen- und Vanitas-Stillleben der Renaissance auf und übersetzen es in eine zeitgenössische Bildsprache – ästhetisch, spielerisch und mit feinem Sinn für das Morbide. Wie ihre historischen Vorbilder thematisieren sie das Spannungsfeld von Schönheit und Vergänglichkeit, von Leben und Tod. „Und es ist auch immer eine Prise Humor dabei“, betonen sie. Von der Zusammenarbeit mit dem Museumsteam zeigen sie sich im Übrigen begeistert, denn die Platzierung von Fotografien und Objekten wurde im Teamwork erledigt.
Für Museumsleiterin Dr. Claudia Grund ist es jedenfalls die schrägste Ausstellung, die sie jemals in „ihrem“ Museum gezeigt hat: „Und die Ausstellung macht so richtig Spaß!“ Mit den Fotos korrespondieren nämlich Objekte, die so einem Stillleben entsprungen sein könnten – vom Pfeilschwanzkrebs bis zum Papagei aus Nymphenburger Porzellan. Zu den Objekten aus Kunst, Kunsthandwerk, Zoologie und Botanik kommen historische Darstellungen von Landschaften, Tieren und Pflanzen aus christlichen und weltlichen Bildzusammenhängen. So entsteht eine kleine „Wunderkammer“, in der sich wundersame Begegnungen ereignen. Etwa in der Schatzkammer, wenn dort wertvolle Monstranzen auf das erste Backrezept für die Linzer Torte trifft, das die Sammlungsfotografen – wie die meisten der fotografierten Objekte – im Stift Admont in der Steiermark abgelichtet haben.
Die Ausstellung „Eine Augenweide. Vom stillen Dasein der Dinge“ im Eichstätter Domschatz- und Diözesanmuseum ist mehr als nur einen Augen-Blick wert. Zu sehen ist die Schau bis 31. Oktober, von Mittwoch bis Sonntag sowie feiertags von 10.30 bis 17 Uhr zu besichtigen. Nähere Informationen unter www.dioezesanmuseum-eichstaett.de. (ma)
Kurz notiert:
Augenweiden
Vom stillen Dasein der Dinge
bis 31. Oktober
Domschatz- und Diözesanmuseum
Residenzplatz 7
85072 Eichstätt
dioezesanmuseum-eichstaett.de
Bushaltestelle:
Leonrodplatz
