Die Mörnsheimer Schichten und ihre fossilen Schätze

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    Sie ist die jüngste Formation der weltberühmten Plattenkalke: Die Mörnsheimer Formation ist die oberste Schicht im sogenannten Solnhofener Archipel und für Wissenschaftler und ambitionierte Fossiliensucher eine wahre Fundgrube. „Von der Fauna her sind diese Schichten nochmal anders als die darunter liegende Altmühltalformation. Für uns ist das spannend, ob das eine andere Ökologie ist oder sich die Gruppen im Rahmen der Evolution schon weiterentwickelt haben,“ erklärt Prof. Dr. Oliver Rauhut, Oberkonservator an der Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie. Er war eigens nach Mörnsheim gekommen, um die Feier zum 15-jährigen Bestehen der „Freunde und Förderer des Projekts Mörnsheimer Schichten – Grabung – Wissenschaft – Dokumentation – Ausstellung – Markt Mörnsheim e. V.“ mit einem Fachvortrag zu bereichern. Was sich hier vor 150 Millionen Jahren ereignet hat, bewegt heute die Wissenschaft: „Wir haben hier einen geologisch kurzen Zeitraum von zwei bis drei Millionen Jahren, in dem wir eine Abfolge von Gesteinen mit fossilen Vergesellschaftungen haben, und wir rekonstruieren können, wie sich ein tropisches Ökosystem entwickelt hat.“

    Riesige Flugsaurier – merkwürdige Echsen

    Zu diesem tropischen Ökosystem zählen natürlich unzählige Pflanzen, von denen viele noch gar nicht erforscht sind. Doch die Stars unter den Fundstücken sind die fossilen Überreste von echten „Urviechern“. Und hier sticht ein besonderer Urvogel heraus, der 2017 von Steinbruchbesitzer Roland Pöschl gefunden wurde: „Der Urvogel vom Schaudiberg, den wir Alcmonavis genannt haben, war dem Archaeopteryx ähnlich, aber etwas größer und die Merkmale an den Flügeln deuten darauf hin, dass er schon besser fliegen konnte,“ so Rauhut, „wir sehen hier also eine Weiterentwicklung der Vögel.“ Ebenfalls einzigartig ist ein Fund aus dem Jahr 2009. Klassifiziert wurde er als „Oenosaurus muehlheimensis“. Dabei handelt es sich um eine „der merkwürdigsten Brückenechsen, die man bisher so kennt“, erklärt der Paläontologe. „Der hat eine Bezahnung, wie wir sie bei keinem anderen Landwirbeltier gesehen haben.“

    Prof. Dr. Oliver Rauhut und der Vorsitzende des Fördervereins Mörnsheimer Schichten, Franz-Josef Peitzmann

    Als einen jurassischen Flamingo muss man sich den Flugsaurier Ctenochasma vorstellen, dessen Überreste ebenfalls in den Mörnsheimer Schichten gefunden wurde wie der noch gar nicht offiziell beschriebene Rhamphodactylus oder ein Flugsaurier neuen Art Petrodactyle wellnhoferi mit dem Spitznamen „Elvis“, der einer der größten Flugsaurier im Jura war. Und während die Wissenschaft dabei ist, die Funde, die auch von Hobbysuchern stammen, zu beschreiben, können täglich neue Sensationen auftauchen.

    UV Licht macht kleinste Details an einem Fossil sichtbar (und kann wie beim Geld auch die Echtheit überprüfen)

    Ein Steinbruch nur für die Fossiliensuche

    Meistens kamen Fossilien laut Professor Rauhut als Beifang beim Abbau von Steinplatten zutage. Dass es auf dem Schaudiberg im Mörnsheimer Ortsteil Mühlheim einen eigenen Steinbruch für paläontologische Grabungen gibt, ist nicht nur für den Wissenschaftler aus München ein wahrer Segen. Und als dort vor 15 Jahren der Besuchersteinbruch eröffnet worden ist, gründete sich auch der Förderverein des Projekts Mörnsheimer Schichten. Der Verein hat Mitglieder aus dem gesamten deutschen Sprachraum, die sich für diesen kleinen Flecken Erde im Naturpark Altmühltal interessieren, der seit Kurzem zu den 100 bedeutendsten Geotopen der Welt gehört: „Die Region ist vergleichbar mit dem Yellowstone Nationalpark oder dem Ayers Rock. Das muss man sich bewusst machen. Und das zieht europaweit Interessierte an,“ schwärmt Franz-Josef Peitzmann, Vorsitzender des Vereins. „Es passiert tatsächlich, dass sie oben im Bruch mehr Englisch als Deutsch sprechen.“

    Die fossilen Überreste eines Quastenflossers aus den Mörnsheimer Schichten wurden von Frank Sanzenbacher, Gründungsmitglied des Fördervereins, im Rahmen der Ausstellung präpariert.

    „Ritterschlag“ durch Sir Richard Attenborough

    Der „Hotspot“ der Fossilienfans ist wie erwähnt der Besuchersteinbruch am Schaudiberg. Hier „buddeln“ die Mitglieder des Fördervereins genauso wie Touristen oder Schulkinder, die hier auch regelmäßig einen Blick in die Erdgeschichte werfen. Und letzteres war auch ausschlaggebend dafür, einen Bereich des Areals für Besucher freizugeben: „Mein Geschäftspartner Uli Leonhardt und ich wollten immer, dass wir hier Jung-Geologen nachziehen,“ erklärt Roland Pöschl. Die Eröffnung 2008 ist für ihn unvergesslich: „Wir haben es nicht fassen können, wo die Leute auf einmal hergekommen sind. Wir haben nicht gewusst, wie uns geschieht.“ Inzwischen wurde die Fläche um das doppelte auf fast 8000 Quadratmeter Grabungsfläche erweitert. Einen echten „Booster“ erlebte der Steinbruch durch eine Reportage zum Thema Evolution von Checker Tobi zusammen mit der LMU und seinen „Ritterschlag“ bekam der Ort durch Sir Richard Attenborough, der hier einen Teil einer Flugsaurier Dokumentation drehte. „Wenn Engländer, Schotten oder Iren kommen, können die die das immer kaum fassen, dass der Sir David da war,“ schmunzelt Pöschl.

    Roland Pöschl betreibt den Besuchersteinbruch auf dem Schaudiberg. Foto: Edgar Mayer

    Kurz notiert:

    Besuchersteinbruch Mühlheim
    täglich geöffnet bis 5. November
    Tagmersheimer Str.
    91804 Mörnsheim
    www.besuchersteinbruch.de

    Infos zum Förderverein gibt es beim
    Markt Mörnsheim

    Kastnerplatz 1
    91804 Mörnsheim
    www.moernsheim.de

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